Warum hohe Töne tatsächlich hoch sind
Musikalität und räumliches Denken hängen eng zusammen
Unmusikalische Menschen haben häufig auch ein schlechtes räumliches Vorstellungsvermögen. Das haben Psychologen aus Neuseeland in Tests mit Freiwilligen gezeigt, die von einer so genannten Amusie betroffen sind und daher keine Tonhöhen unterscheiden können. Die Probanden schnitten im Vergleich zu musikalisch normal Begabten wesentlich schlechter ab, als sie sich die Drehung dreidimensionaler Körper im Raum vorstellen sollten.
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In den Tests ließen Katie Douglas und David Bilkey insgesamt 34 Probanden antreten, darunter acht mit Amusie, eine Gruppe aktiver Musiker und Freiwillige mit geringer musikalischer Praxis. Den Versuchsteilnehmern zeigten die Wissenschaftler auf einem Laptop das Bild eines sich im Raum drehenden Objekts, worauf die Probanden die Lage des Körpers anzugeben hatten. Den unmusikalischen Menschen unterliefen dabei doppelt so viele Fehler wie den Probanden der beiden Kontrollgruppen, ergab die Auswertung.
"Wir waren wirklich überrascht", kommentiert David Bilkey das Ergebnis. Die meisten Studien zum Thema Amusie hätten sich mit dem eigentlichen Defizit befasst: der mangelnden Fähigkeit zur Unterscheidung von Tonhöhen. Dass dahinter wohl eine weiterreichende Störung liegt, war bisher nicht bekannt. In einem zweiten Test ließen die Forscher die Probanden daher Tonhöhen beurteilen und die Lage eines Objekts im Raum bestimmen. Dieses Mal benötigten die Probanden der Kontrollgruppen deutlich länger für den Test – nicht jedoch die amusischen Versuchsteilnehmer, die ohnehin Tonhöhen nicht unterscheiden können.
Informationen über die Tonhöhe und räumliches Denken werden in der gleichen Gehirnregion verarbeitet, schließen die Forscher aus diesen Ergebnissen. Müssen beide Aufgaben gleichzeitig erledigt werden, ist die Verarbeitung daher stark verlangsamt. Bei der betreffenden Hirnregion handelt es sich nach Vermutung der Wissenschaftler um den so genannten intraparietalen Sulcus, ein Areal, von dem bekannt ist, dass es am Musikverständnis, räumlichem Sehen und bei der Beurteilung von Zahlen beteiligt ist. Ob sich durch das Training des räumlichen Vorstellungsvermögens auch das musikalische Empfinden verbessern lässt und umgekehrt, sei allerdings noch ungewiss, erklären die Wissenschaftler.
Nature, Onlinedienst, OI: 10.1038/news070618-18
Originalarbeit der Forscher: Katie Douglas und David Bilkey (University of Otago, Dunedin): Nature Neuroscience, Bd. 10, S. 915
ddp/wissenschaft.de – Ulrich Dewald

















