Ein Mondkalender für Tiefsee-Tierchen
Plankton richtet sich auch tief im Meer nach dem Zyklus des Erdsatelliten
Die Auf- und Abwärtsbewegung von Zooplankton richtet sich auch in großen Meerestiefen nach dem Mondzyklus, obwohl das Mondlicht gar nicht bis in diese Tiefen vordringt. Die längste Wegstrecke legten die winzigen Organismen bei Vollmond zurück, die kürzesten bei Neumond. Das hat der niederländische Meeresforscher Hans van Haren bei Beobachtungen der Bewegungen des Planktons in Wassertiefen zwischen 800 und 1.400 Metern beobachtet.
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Van Haren untersuchte die Bewegungen des Zooplanktons im Nordatlantik mithilfe eines so genannten Ultraschall-Doppler-Gerätes. Dieses sendet Schallwellen aus, die von den Schwebeteilchen reflektiert und anschließend wieder vom Gerät empfangen werden. In einem Zeitraum von anderthalb Jahren bestimmte der Wissenschaftler mit dieser Methode stündlich, in welcher Wassertiefe sich der Großteil des Planktons befand.
Die Beobachtungen zeigten, dass die Bewegungen des Planktons von einem jahreszeitlichen, einem täglichen und einem mondabhängigen Rhythmus beeinflusst wurden, wobei die beiden letzten miteinander gekoppelt sind. Die Rhythmen konnten nicht durch physikalische Mechanismen wie beispielsweise sich wiederholende Wellenbewegungen erklärt werden. Vielmehr scheinen sie von inneren biologischen Uhren abzuhängen. Viele dieser biologischen Uhren benötigen Licht als Taktgeber, um kleinere Abweichungen auszugleichen.
Bislang ist noch unklar, wie die konstanten Rhythmen in diesen großen Tiefen ohne Licht zustande kommen. Eine Erklärung könnte sein, dass das vermessene Plankton hauptsächlich aus Kleinstlebewesen besteht, welche den ersten Teil ihres Lebens in geringeren Wassertiefen verbringen, wobei sie ihre Rhythmen dem Licht anpassen. In ihrer zweiten Lebensphase wandern die Tierchen dann in tiefere Wasserschichten und behalten die Rhythmen bei. Solch ein Wechsel der Wassertiefen in Abhängigkeit vom Alter wurde beispielsweise für die häufig vorkommende Zooplanktonart Calanus cristatus beschrieben.
New Scientist, Onlinedienst
Originalarbeit: Hans van Haren (Niederländisches Institut für Meeresforschung, Den Burg): Geophysical Research Letters, Bd. 34, S. L12603
ddp/wissenschaft.de – Tobias Becker


















