Zwei neue Risikogene für Multiple Sklerose
Forscher finden weitere Faktoren, die am Ausbruch der Nervenkrankheit beteiligt sein können
Erstmals seit mehr als dreißig Jahren haben drei internationale Forscherteams neue genetische Risikofaktoren für Multiple Sklerose (MS) entdeckt. Es handelt sich dabei um zwei Gene, die den Bauplan für Erkennungsproteine, so genannte Rezeptoren, auf der Oberfläche von Immunzellen tragen. Bestimmte Varianten dieser beiden Gene erhöhen das Risiko für den Träger, an MS zu erkranken, um jeweils zwanzig bis dreißig Prozent. Sie gehören nach Ansicht der Wissenschaftler zu einer bislang noch unbekannten größeren Gruppe von Genen, die zwar alleine keinen großen Einfluss haben, in der Kombination das Erkrankungsrisiko jedoch deutlich steigern.
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Multiple Sklerose ist eine Autoimmunkrankheit, bei der das Immunsystem die Isolierung um die Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark angreift. Das führt im Lauf der Zeit zu Muskelschwäche, Bewegungs-, Gleichgewichts- und Sehstörungen sowie Lähmungen. Zwar gibt es bereits seit langem Hinweise auf eine Kombination aus Umweltfaktoren und genetischer Veranlagung als Krankheitsursache. Identifiziert werden konnte bislang jedoch nur ein einziges, allerdings sehr wichtiges Gen namens HLA, das das Erkrankungsrisiko für den Träger um das Vierfache erhöhen kann.
Um weitere genetische Risikofaktoren zu identifizieren, verfolgten die Wissenschaftler nun zwei verschiedene Strategien: David Hafler und sein Team untersuchten das gesamte Erbgut von 931 MS-Patienten samt ihren Eltern und bestimmten, welche Genvarianten die Erkrankten häufiger geerbt hatten als Gesunde. Die Ergebnisse überprüften sie anschließend an weiteren Probanden, so dass insgesamt über 12.000 DNA-Proben ausgewertet wurden. Die anderen beiden Teams konzentrierten sich bei ihrer Suche von vorneherein auf bestimmte Genabschnitte und untersuchten deren Zusammenhang mit MS bei sieben großen Probandengruppen aus Europa und den USA.
Alle drei Gruppen identifizierten ein Gen namens IL-7R als Risikofaktor. Liegt es in einer bestimmten Variante vor, verringert sich die Menge des Rezeptors für Interleukin-7, einem wichtigen Botenstoff des Immunsystems, auf der Oberfläche regulierender Immunzellen. Das führt wahrscheinlich zu einem Ungleichgewicht, infolgedessen der Körper sein eigenes Gewebe angreift. Das Team um Hafler fand außerdem noch ein IL-2R genanntes Gen, das ebenfalls die Informationen für einen Interleukinrezeptor trägt und bereits mit anderen Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht wurde.
Die Arbeit habe gezeigt, dass es keine weiteren genetischen Risikofaktoren gebe, die einen derart starken Einfluss wie HLA hätten, schreiben die Forscher. Vielmehr scheine eine ganze Reihe Gene wie IL-2R und IL-7R unterschiedlich stark zum Risiko beizutragen. Die Identifizierung solche Faktoren soll in Zukunft helfen, gezieltere Behandlungsstrategien der bislang unheilbaren Krankheit zu entwickeln, so die Forscher.
David Hafler (Harvard Medical School, Boston) et al.: New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/nejmoa073493
Simon Gregory (Duke-Universität, Durham) et al.: Nature Genetics, DOI: 10.1038/ng2103
Frida Lundmark (Karolinska-Institut, Stockholm) et al.: Nature Genetics, DOI: 10.1038/ng2106
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel

















