Geschrumpfte Genvielfalt
Vor tausend Jahren waren die Erbgut-Unterschiede zwischen Engländern größer als heute
In den vergangenen tausend Jahren hat sich die genetische Vielfalt unter den Bewohnern Englands verringert. Das schließt ein internationales Forscherteam aus der Erbgutanalyse von menschlichen Knochenresten aus dem ersten Jahrtausend nach Christus. Im Vergleich mit ihren heutigen Nachfahren zeigte das Erbgut der frühen Engländer viel größere Unterschiede. Für diesen Verlust an Vielfalt gibt es verschiedene Erklärungsmöglichkeiten. So könnten Pestepidemien dazu geführt haben, dass ganze Verwandtschaftszweige ausstarben.
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Die Forscher verglichen das Erbgut von 48 menschlichen Skeletten, die Archäologen an verschiedenen Orten in Großbritannien entdeckt hatten und aus den Jahren 300 bis 1.000 nach Christus stammen. Dabei konzentrierten sie sich auf die so genannte mitochondriale DNA, also das Erbgut, das in den Kraftwerken jeder Zelle gespeichert ist. Die DNA-Unterschiede zwischen den verschiedenen Vorfahren waren größer als zwischen 6.320 modernen Menschen, die im heutigen Europa und Mittleren Osten leben.
Überraschenderweise widerlegen die Ergebnisse die verbreitete Annahme, moderne Gesellschaften seien heute bunter gemischt als vor tausend Jahren. Tatsächlich setzten sich über die Jahrhunderte nur bestimmte Abstammungslinien durch und die ursprüngliche Vielfalt verringerte sich. Bislang ungeklärt ist, ob diesem Verlust eine natürliche Selektion oder zufällige Entwicklungen zugrunde liegen.
Das Forscherteam führt als mögliche Erklärung verschiedene Pestepidemien an. In der Mitte des 14. Jahrhunderts raffte die große, auch als Schwarzer Tod bezeichnete Pestwelle die Hälfte der europäischen Bevölkerung hin. Besonders im Süden Englands grassierte im 17. Jahrhundert erneut die Pest und tötete ein Fünftel der Einwohner. Obwohl Millionen von Menschen die Krankheit überlebten, könnte die Pest einzelne Dörfer und die darin lebenden, eng miteinander verwandten Familien vollständig ausgerottet haben, vermuten die Wissenschaftler.
Ana Töpf (Universität von Durham) et al.: Biology Letters, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2007.0269
ddp/wissenschaft.de – Larissa Kessner

















