Warum Mäusen der Klimawandel stinkt
Die Nagetiere können schon kleine Mengen Kohlendioxid riechen
Mäuse haben einen Sensor für Kohlendioxid in der Nase: Sie besitzen spezialisierte Nervenzellen im hinteren Teil ihres Riechsystems, mit denen sie schon geringe Mengen des für Menschen vollkommen geruchslosen Gases wahrnehmen können, haben chinesische und amerikanische Forscher entdeckt. Die Sensorzellen sind so empfindlich, dass die für die kommenden Jahre prognostizierte Erhöhung des Kohlendioxidgehaltes den Mäusen ernsthaft zu schaffen machen könnte, glauben die Wissenschaftler.
ANZEIGE
Stechmücken können genauso wie Taufliegen und andere Insekten bereits kleine Kohlendioxidmengen wahrnehmen und sich von ihnen zu einer potenziellen Beute, einem atmenden Säugetier, leiten lassen. Auch Ratten sind in der Lage, Kohlendioxid zu detektieren – allerdings nur dann, wenn die Konzentration höher ist als ein halbes Prozent und damit mehr als zehnmal so hoch wie der natürliche Anteil des Gases in der Luft. Ob es jedoch auch Säugetiere gibt, die wie Insekten Kohlendioxidkonzentrationen in der Größenordnung der natürlich vorkommenden Mengen wahrnehmen können, ist bislang unbekannt.
Mäuse scheinen tatsächlich über diese Fähigkeit zu verfügen, legen nun die neuen Ergebnisse nahe: Mit Hilfe eines grün leuchtenden Markerproteins konnte das Forscherteam zeigen, dass einige Nervenzellen im hinteren Bereich des Riechepithels der Tiere aktiv wurden, wenn sie mit Kohlendioxid in Kontakt kamen. Dabei handelt es sich um Zellen, von denen früher bereits gezeigt worden war, dass sie mit einem typischerweise für die Kohlendioxidwahrnehmung zuständigen Enzym ausgestattet sind. Dank dieses Systems können die Mäuse Kohlendioxidkonzentrationen von etwa 0,6 Promille wahrnehmen – ein Wert, der nur wenig oberhalb der natürlichen Kohlendioxidkonzentration von knapp 0,4 Promille liegt.
Im Gegensatz zu Stechmücken fanden die Tiere das Gas nicht anziehend, sondern versuchten, es zu meiden, schreiben die Forscher. Das werfe die Frage auf, inwieweit steigende Kohlendioxidkonzentrationen das Leben der Mäuse beeinflusse – schließlich ließen einige Studien vermuten, dass die Konzentration des Treibhausgases innerhalb von etwa einhundert Jahren den Wert überschreiten könnte, den die Tiere wahrnehmen. "Es könnte sein, dass sich die Tiere an diesen allmählichen Anstieg anpassen", kommentiert Peter Mombaerts von der Rockefeller-Universität, einer der Mitautoren. "Alternativ könnte er jedoch auch zu Verhaltensveränderungen führen, wie einer Zunahme von Reizbarkeit und Aggressionen oder einer Abnahme der Fruchtbarkeit."
Ji Hu (Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking) et al.: Science, Bd. 317, S. 953
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel

















