Vorteil für Vogelmamas
Brutpflege in der Gruppe verbessert Chancen der Mütter
Wenn sich Vogelpaare bei der Betreuung ihres Nachwuchses helfen lassen, profitieren davon entgegen bisheriger Annahmen eher die Mütter als die Jungvögel: In Gruppen, in denen neben den Eltern auch noch andere erwachsene Vögel Futter für die Jungen besorgen, produzieren die Weibchen kleinere Eier mit geringerem Nährstoffgehalt im Dotter, hat ein internationales Forscherteam gezeigt. Das schont die Ressourcen der Mütter und verschafft ihnen einen Überlebensvorteil, ohne dass sich dabei die Chancen des Nachwuchses verringern – schließlich wird dessen geringere Größe beim Schlüpfen sehr schnell durch die größere Futtermenge ausgeglichen.
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Viele Vögel setzen bei der Aufzucht ihrer Jungen auf das sogenannte kooperative Brüten: Nicht nur die eigenen Eltern versorgen die Nestlinge mit Futter, sondern auch die anderen erwachsenen Gruppenangehörigen, die häufig keinen eigenen Nachwuchs haben. Meist bekommen die Jungvögel auf diese Weise deutlich mehr Futter, als wenn sie nur von ihren Eltern aufgezogen werden. Trotzdem, haben bereits mehrere Studien gezeigt, werden sie nicht größer, stärker oder fitter als ihre weniger verwöhnten Altersgenossen. Welchen Vorteil hat also diese aufwendige Art der Brutpflege?
Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, untersuchten Russell und sein Team nun Prachtstaffelschwänze, kleine Singvögel, die im südöstlichen Australien heimisch sind und bei denen beide Arten der Kinderbetreuung vorkommen – eine Versorgung ausschließlich durch die Eltern genauso wie kooperatives Brüten in einer größeren Gruppe. Auch hier zeigte sich: Obwohl die in der Gruppe aufgezogenen Jungvögel im Schnitt 19 Prozent mehr Futter bekamen, waren sie nicht größer oder schwerer als ihre Altersgenossen. Was sich jedoch deutlich zwischen den beiden Betreuungsmodellen unterschied, war die Größe der Eier, die die Weibchen legten: Sie waren bei den Müttern, denen Helfer zur Seite standen, etwa 5 Prozent kleiner als bei den anderen Weibchen. Zudem enthielt der Dotter 12 Prozent weniger Fett und 13 Prozent weniger Eiweiß.
Dank der Helfer können es sich die Weibchen leisten, ihrem Nachwuchs weniger Nährstoffe mitzugeben, weil sie wissen, dass dieses Defizit durch die bessere Versorgung ausgeglichen wird, schließen die Forscher. Die Energie, die die Mütter dadurch sparen, steht ihnen dann für die eigene Fitness zur Verfügung. Diese Strategie zahlt sich aus: Das Sterberisiko für in der Gruppe lebende Weibchen ist fast ein Drittel niedriger als das von Weibchen in einer reinen Paarbeziehung – und je länger ein Vogelweibchen lebt, desto mehr Eier kann es legen und desto effizienter werden seine Gene weitergegeben.
Andrew Russell (Universität Sheffield) et al.: Science, Bd. 317, S. 941
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel


















