Charakterprüfung für Hautkrebs
Genetisches Schaltmuster verrät, wie aggressiv ein Melanom ist
Die Aggressivität von Hautkrebs lässt sich anhand seines genetischen Schaltprofils sehr viel zuverlässiger vorhersagen als mit Hilfe der bisher verwendeten optischen Beurteilung. Das schließen amerikanische Mediziner aus den Ergebnissen einer Studie, in der sie bei verschiedenen Hautkrebszellen verglichen, welche Gene an- und welche abgeschaltet waren. Dabei identifizierten sie 18 Erbgutabschnitte, deren Schaltmuster sich in ganz typischer Weise zwischen aggressiven und weniger aggressiven Formen der Krankheit unterscheidet. Dieses neu entdeckte Profil könnte nicht nur bei der Diagnose helfen, sondern auch neue Angriffsziele für effektivere Chemotherapien aufzeigen, glauben die Forscher.
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Normalerweise wird die Aggressivität von malignen Melanomen, auch schwarzer Hautkrebs genannt, danach eingeschätzt, wie tief die Tumoren bereits in die Haut eingedrungen sind. Allerdings gibt es immer wieder Fälle, in denen die Schwere der Erkrankung nicht mit der Prognose übereinstimmt. "Zwei Melanompatienten mit Tumoren mit der gleichen Eindringtiefe und dem gleichen Aussehen unter dem Mikroskop können komplett verschiedene Krankheitsverläufe haben", erklärt Studienleiterin Rhoda Alani.
Aus diesem Grund suchten die Wissenschaftler nun nach Kennzeichen, die genauer und zuverlässiger Auskunft über die Aggressivität der Tumoren geben. Dazu analysierten sie die Genaktivität in zehn verschiedenen Melanom-Zelllinien: Drei davon stammten aus eher harmlosen Tumoren aus den oberen Hautschichten, vier aus Tumoren, die auch in die Tiefe wuchsen und weitere vier repräsentierten metastasierende Melanome, die tödlichste Tumorform. Anhand des Schaltprofils ließen sich die Zellen in zwei verschiedene Klassen einteilen, zeigte die Auswertung: eine aggressive und eine weniger aggressive. Zu den harmloseren Formen gehörten wie erwartet die oberflächlichen Tumoren und zwei der Zellvarianten, die auch tiefere Hautschichten befielen, während die restlichen die aggressivere Gruppe bildeten.
Besonders charakteristisch für die jeweiligen Gruppen war das Schaltmuster von 18 Genen, die unter anderem für die Vermehrung und Reparatur der DNA, die Spezialisierung der Zellen und ihre Fähigkeit, sich an Oberflächen anzuheften, zuständig waren. Viele dieser Gene waren zudem bereits in früheren Studien mit aggressiven Krebsformen in Verbindung gebracht worden, berichtet Alani. Besonders bei einer so heterogenen Krebsform wie dem Melanom könne das genetische Schaltprofil helfen, aggressivere Formen frühzeitig zu erkennen und die Behandlung entsprechend anzupassen, so die Forscher. Weltweit nimmt die Zahl der Melanomfälle stetig zu. Die Prognose ist nur gut, wenn der Krebs frühzeitig erkannt wird. Ärzte raten daher, Leberflecken und Hautveränderungen jedes Jahr kontrollieren zu lassen.
Mitteilung der Johns Hopkins University, Baltimore
Originalarbeit der Forscher: Byungwoo Ryu (Johns Hopkins University, Baltimore) et al.: PLoS ONE, Bd. 2, Artikel e594
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel


















