Ob duftend oder stinkend entscheiden die Gene
Das Erbgut legt fest, wie Menschen Gerüche wahrnehmen
Ein kleiner Unterschied im genetischen Code kann dafür verantwortlich sein, dass verschiedene Menschen den Geruch ein und derselben Substanz entweder als unangenehm nach Schweiß und Urin stinkend oder als süßlich riechend und nach Blumen duftend wahrnehmen. Das haben US-Forscher in einer Studie gezeigt. Bei den Substanzen handelte es sich um Androstenon und Androstadienon – Abbauprodukte des Sexualhormons Testosteron, die zu den Pheromonen gezählt werden. Zuvor hatten die Forscher in Labortests herausgefunden, dass durch die Duftstoffe ganz bestimmte Rezeptoren aktiviert werden, die entsprechend ihrer genetischen Ausstattung unterschiedlich stark reagieren.
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Insgesamt untersuchten die Wissenschaftler in ihrer Studie mit knapp vierhundert Teilnehmern unterschiedlichen Alters 66 Duftstoffe und 335 menschliche Duftrezeptoren. Die Versuchsteilnehmer bekamen die 66 Duftstoffe einmal in einer niedrigen und einmal in einer hohen Konzentration zu riechen. Die Wahrnehmungsschwelle für Androstenon und Androstadienon wurde bei einem Teil der Probanden gemessen, sowie für drei Kontrollsubstanzen bei allen Teilnehmern. Vier der Duftstoffe sollten von den Teilnehmern zudem näher charakterisiert werden, wobei sie eine Auswahl von 146 beschreibenden Begriffen hatten.
Die stärkste Empfindlichkeit für Androstenon wies der Rezeptor namens OR7D4 auf, der nur auf diese Substanz sowie das chemisch sehr ähnliche Androstadienon reagierte. Die Beschreibungen des Geruches von Adrostenon durch verschiedene Probanden reichten von verschwitzt, urinartig über süßlich und blumenartig bis hin zu geruchlos. Diese Unterschiede in der Wahrnehmung konnten die Wissenschaftler zumindest teilweise auf eine häufig auftretende, kleine Veränderung des genetischen Codes für den OR7D4-Rezeptor zurückführen.
Der Austausch von nur zwei Eiweißbausteinen, so genannten Aminosäuren, genügt demnach, um die Funktion des Rezeptors deutlich zu behindern. Versuchseilnehmer mit dieser Änderung des Rezeptors waren weniger empfindlich für beide Duftstoffe, das heißt, es war eine größere Menge des Stoffes notwenig, damit sie diese wahrnehmen konnten. Sie empfanden den Geruch auch als weniger unangenehm als die Probanden, die den unveränderten Rezeptor besaßen. Mit ihrer Studie konnten die amerikanischen Wissenschaftler zum ersten Mal eine direkte Verbindung zwischen einer genetischen Veränderung in einem Duftrezeptor und der Wahrnehmung eines bestimmten Duftes belegen.
Andreas Keller (Rockefeller-Universität in New York) und Hanyi Zhuang (Duke-Universität in Durham) et al.: Nature, DOI: 10.1038/nature06162
ddp/wissenschaft.de – Tobias Becker

















