Die Angst vor Strafe sitzt hinter der Stirn
Der präfrontale Cortex im Gehirn ist dann aktiv, wenn Menschen eine Bestrafung befürchten
Forscher aus Deutschland und der Schweiz haben die Hirnregionen identifiziert, die auf Bestrafung beim Verstoß gegen soziale Normen reagieren. Die Hirnareale im präfrontalen Cortex an der Stirnseite des Gehirns werden immer dann aktiv, wenn Menschen etwas tun, das eine Bestrafung zur Folge haben kann. Da sich die entsprechende Verschaltung dieser Hirnareale erst im Lauf des Heranwachsens entwickelt, sei es durchaus gerechtfertigt, dass Kinder und Jugendliche im Strafrecht meist anders behandelt werden, schreiben die Forscher.
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Die Wissenschaftler hatten in ihren Experimenten Freiwillige vor die Aufgabe gestellt, Geld aus einer gemeinsamen Kasse mit einem zweiten Probanden zu teilen. Der zweite Versuchsteilnehmer war dem Gutdünken des ersten dabei entweder vollkommen ausgeliefert, oder er konnte diesen bei mangelnder Fairness wiederum selbst mit Geldentzug bestrafen. In beiden Konstellationen beobachteten die Forscher mittels funktioneller Magnetresonanztomographie die Hirnaktivität des ersten Probanden, während dieser über die Verteilung des Geldes entschied.
Dabei zeigten die betreffenden Hirnregionen im präfrontalen Cortex nur dann eine starke Aktivität, wenn die Probanden eine Bestrafung zu erwarten hatten. Bei Versuchsteilnehmern, die zu Egoismus und Opportunismus neigen, war der Unterschied zwischen der Situation mit und der ohne Strafe besonders groß, ergaben die weiteren Tests. Hatten die Probanden statt eines Menschen nur einen Computer als Partner, fiel die Reaktion insgesamt weitaus schwächer aus. Von den Hirnregionen war bisher bekannt, dass sie bei Entscheidungen beteiligt sind, bei denen Gerechtigkeit eine Rolle spielt.
Die Ergebnisse könnten einen Ansatzpunkt für die Erforschung psychopathischer oder auf andere Weise extrem der Norm widersprechenden Verhaltensweisen bieten, erklären die Wissenschaftler. So werden bei manchen Menschen mit Schäden im präfrontalen Cortex ungewöhnliche Verhaltensweisen beobachtet. Diese treten oft auf, obwohl den Betroffenen der Verstoß gegen die Norm bewusst ist. Hinter einem solchen Verhalten könnte eine Störung der sonst im Gehirn verankerten Mechanismen der sozialen Kontrolle liegen, so die Wissenschaftler.
Manfred Spitzer (Universität Ulm) und Ernst Fehr (Universität Zürich) et al.: Neuron, Band 56, Seite 185
ddp/wissenschaft.de – Ulrich Dewald

















