Neue Maße für die Sonne
Astronomen: Unsere Sonne ist einen Tick kleiner als bislang gedacht
Der Radius der Sonne ist rund 300 Kilometer kleiner als bislang angenommen. Dies entspricht zwar nur einer kleinen Korrektur von 0,04 Prozent, hat aber Auswirkungen auf das physikalische Verständnis unseres Zentralgestirns, sagen Astronomen um Margit Haberreiter vom Physikalisch-Meteorologischen Observatorium in Davos. Mit dem korrigierten Durchmesser können sich auch die Werte für andere Eigenschaften wie die Dichte und die Temperatur im Sonneninneren ändern. Die höchst genaue Messung des Radius ist daher eine entscheidende Größe, um die Entwicklung der Sonne besser zu verstehen.
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Die Sonne ist ein Gasball, dessen Gashülle nach außen hin immer dünner wird. Die Strecke vom Zentrum bis zu jener Stelle, wo die Gashülle von undurchsichtig in durchsichtig umschlägt, definieren Astronomen als den Radius eines Sterns. Bislang gab es dafür zwei Messverfahren, die jedoch zu verschiedenen Ergebnissen führten. Haberreiter und ihre Kollegen haben nun durch neue Berechnungen mögliche Fehlerquellen ausgeräumt und einen einheitlichen Wert von 695.700 Kilometer für den Radius bestimmt. Dies sind 300 Kilometer weniger als Astronomen bislang veranschlagten.
In dem einen Messverfahren bestimmen Astronomen mit Teleskopen die Distanz vom Sonnenzentrum bis zum äußeren Rand, wo das gleißende Licht plötzlich abfällt. Die zweite Methode beruht auf der Beobachtung von bestimmten Dichtewellen auf der Sonne, die genau an der Grenze der undurchsichtigen zur durchsichtigen Gasschicht auftreten. Mit Computermodellen simulierten die Forscher auf Basis der Messungen, wie sich das Licht in der Nähe des Sonnenradius ausbreitet. Dadurch erkannten sie, dass die erste Methode den Radius etwas zu hoch ansetzt.
Der korrigierte Sonnendurchmesser ist zwar nur 0,04 Prozent kleiner als der bisher veranschlagte, verhilft den Astronomen aber dazu, Zustand und Entwicklung der Sonne genauer zu berechnen. Auch der Weltraumwetter genannte Teilchenschauer, der von der Sonne ausgehend die Erde trifft, ließe sich genauer voraussagen, hoffen die Astronomen.
New Scientist, Onlinedienst
ddp/wissenschaft.de – Martin Schäfer


















