Wie man bei Vögeln Männlein und Weiblein unterscheiden kann
Forscher entwickeln neuen schonenden Test für Geschlechtsbestimmung
Ein neuer Test soll Geflügelzüchtern und Biologen in Zukunft schnell und einfach das Geschlecht eines Vogels verraten. Verwendet wird dazu Gewebe aus dem Federkiel, das mit Hilfe eines Lasers untersucht und anschließend von einem Computersystem klassifiziert wird. Der Test ist sehr schonend für die Tiere, erklärt Petra Rösch von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, die das Verfahren zusammen mit Kollegen entwickelt hat. Gleichzeitig profitieren die Züchter von dem geringen Aufwand und der trotzdem hohen Zuverlässigkeit des Tests, der in einem ersten Probelauf mit jungen Hühnern in 95 Prozent der Fälle das richtige Ergebnis lieferte.
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Bei Vogelarten, bei denen Männchen und Weibchen gleich gefärbt sind, ist eine Geschlechtsbestimmung anhand von äußeren Merkmalen wie der Größe oder dem Verhalten meist schwierig. Daher muss entweder eine endoskopische Untersuchung der innenliegenden Geschlechtsorgane oder eine Blutabnahme durchgeführt werden. Beide Verfahren setzen die Tiere stark unter Stress, so dass sie meist unter Vollnarkose stattfinden – was ebenfalls die Gesundheit der Vögel beeinträchtigen kann. Zudem ist eine Analyse des Bluts auf den Hormonstatus oder bestimmte genetische Merkmale aufwendig und erfordert Fachpersonal.
Der neue Test könnte zu einer schonenderen und einfacheren Alternative werden, glauben die Forscher. Er basiert darauf, dass die Zellkerne männlicher Vögel etwa zwei Prozent mehr DNA enthalten als die weiblicher Tiere. Um diesen Unterschied nachweisen zu können, werden lediglich Blutfedern benötigt, solche Federn also, die noch im Wachstum sind und daher durchblutet werden. "Diese Federn findet man sowohl bei sehr jungen Vögeln als auch bei erwachsenen Tieren kurz nach der Mauser", erläutert Petra Rösch gegenüber wissenschaft.de. Bei der eigentlichen Untersuchung wird das zellhaltige Gewebe aus dem Kiel der Federn herausgedrückt und direkt analysiert. Zum Einsatz kommt dabei die sogenannte Raman-Spektroskopie, bei der die Gewebeprobe mit einem Laser bestrahlt und das gestreute Licht anschließend untersucht wird.
"Da die Unterschiede sehr gering sind, müssen die entstehenden Spektren mit Erfahrungswerten aus einer Datenbank abglichen werden, um sie zuordnen zu können", erklärt Rösch. Die Zuverlässigkeit von 95 Prozent, die das Verfahren momentan liefert, entspricht etwa dem Wert, der auch mit den herkömmlichen Methoden erreicht wird. Zudem habe die Technik mehrere Vorteile: "Messung und Auswertung dauern nicht einmal eine Minute, und das Verfahren lässt sich prima automatisieren", so Rösch. Zwar sei man noch nicht soweit, die Messsysteme würden jedoch stetig kleiner, so dass sie bald auch außerhalb des Labors eingesetzt werden können. "Dann wird vor Ort kein Fachmann mehr benötigt", erläutert die Wissenschaftlerin. Davon sollen dann neben Geflügelbauern auch Züchter seltener Vogelarten profitieren, die sich heute vielfach auf ihr Glück verlassen müssen.
Petra Rösch (Friedrich-Schiller-Universität, Jena) et al.: Analytical Chemistry, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1021/ac702043q
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel


















