Navi im Ohr
Kaskadenfrösche sind Meister der Ortung von Lauten
Chinesische Kaskadenfrösche können potenzielle Paarungspartner anhand ihrer Rufe ähnlich genau orten wie Delfine oder Elefanten ihre Artgenossen. Das haben chinesische Forscher bei Tests mit den nachtaktiven Tieren herausgefunden. Im verdunkelten Labor hüpften Männchen rufenden Weibchen mit einer Winkelabweichung von weniger als einem Grad entgegen. Eine solche räumliche Präzision beim Hören ist sonst nur bei Eulen, Menschen oder bei Säugetieren wie Delfinen oder Elefanten bekannt, berrichten die Wisssenschaftler um Jun-Xian Shen von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking.
ANZEIGE
Mit ihrem für Frösche extrem vielfältigen Kommunikationssystem faszinieren Kaskadenfrösche Wissenschaftler schon seit mehreren Jahren. So fielen die Tiere nicht nur durch eine Vielzahl unterschiedlicher Lautäußerungen auf, sondern sie waren auch die ersten bekannten Nichtsäugetiere, die im Ultraschallbereich rufen und hören. Wie fein abgestimmt das Hören auch im Hinblick auf die räumliche Ortung ist, entdeckten die Wissenschaftler um Shen nun in Feld- und Labortests: Die Forscher spielten die Rufe paarungsbereiter Weibchen zunächst Männchen in einer natürlichen Population vor. Die Tiere antworteten nicht nur durch Rufen, sondern bewegten sich auch zielstrebig auf den Lautsprecher zu, aus dem die bis in den Ultraschallbereich reichenden Laute erklangen.
Bei den anschließenden Labortests zeigte sich die hohe Präzision dieser Ortung und Bewegung: So machten die Männchen in Erwartung einer potenziellen Paarungspartnerin Hüpfer von bis zu 75 Zentimetern Weite auf den Lautsprecher zu und wichen dabei nicht mehr als ein Grad von der Richtung ab – ganz im Gegensatz zu anderen Amphibien, die in ähnlichen Tests auf eine Präzision von lediglich rund 20 Grad kamen.
Überraschend für die Forscher war auch das bei Männchen und Weibchen unterschiedliche Klangspektrum: So gaben weibliche Tiere Rufe in deutlich höheren Frequenzen von sich als Männchen. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Frösche mit diesen hohen Frequenzen das Rauschen des Wassers in ihrem angestammten Lebensraum besser übertönen können.
Jun-Xian Shen (Chinesischen Akademie der Wissenschaften, Peking) et al.: Nature, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nature06719
ddp/wissenschaft.de – Ulrich Dewald

















