Die Stadt der Schlangensterne
Bergspitze im Ozean beherbergt Massen der Stachelhäuter
Wissenschaftler haben im Meer südlich von Neuseeland eine riesige Ansammlung von Schlangensternen auf einer 90 Meter unter Wasser gelegenen Bergspitze entdeckt. Schlangensterne ähneln Seesternen, unterscheiden sich von ihnen aber durch ihre längeren, dünneren Arme. Auf der Bergspitze leben Zigmillionen Schlangensterne Arm an Arm, schätzen die Forscher. Ihre Nahrung bekommen die Tiere dabei automatisch geliefert: Sie treibt mit der schnellen Strömung des Meereswassers an ihnen vorbei, berichtet der "Census of Marine Life" in Washington, ein Netzwerk, das sich mit der Erfassung und Erforschung von Meereslebewesen beschäftigt.
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Die Spitzen von unterseeischen Bergen sind häufig mit Korallen und Schwämmen besiedelt, die ihre Nahrung aus der Strömung filtern. Erstmals entdeckten die Forscher nun auch Massen von Schlangensternen an einem solchen Ort. Der Berg im Macquarie Ridge liegt 1.400 Kilometer südlich von Neuseeland oberhalb des Polarkreises. Er ist 170 Meter hoch, und seine Spitze liegt nur 90 Meter unterhalb des Meeresspiegels. Seine Oberseite ist flach, weshalb Experten annehmen, dass die Spitze einst an der Meeresoberfläche lag und von Wellen abgeschliffen wurde.
Die Schlangensterne verdanken die optimalen Lebensbedingungen an dieser Stelle der starken polaren Meeresströmung und der Form des Berges, berichten die Forscher. Das Wasser strömt mit einer Geschwindigkeit von etwa vier Kilometern in der Stunde an der Bergspitze vorbei – die Schlangensterne können ihr Futter also einfangen, indem sie ihre Arme in die Strömung halten. Fische und andere mögliche Angreifer werden einfach fortgespült. Die Bedingungen für Schlangensterne sind am Unterwasserberg so gut, dass auf einem Quadratmeter bis zu 100 Tiere leben.
Anhand von Fotos und Filmaufnahmen versuchen die Wissenschaftler nun, das Ökosystem auf der Bergspitze zu entschlüsseln. Neben den Schlangensternen entdeckten die Forscher auf ihren Aufnahmen auch einige Fische. Sie hielten sich hinter Steinen oder in großen Korallen auf, um sich vor der starken Strömung zu schützen. Auch die Form des Berges und seinen Einfluss auf die Meeresströmung wurden erfasst. Das Macquarie Ridge ist eine wichtige Kreuzung der Meeresströmungen. Diese genau zu verstehen, sei sehr wichtig, sagt Mike Williams von NIWA, dem Neuseeländischen Institut für Wasser- und Atmosphärenforschung: "Wir können so vielleicht bestimmen, wie viel Wasser der Polarströmung hier in den Pazifik abfließt, anstatt weiter um die Antarktis zu kreisen. Änderungen im Klima des Südwestpazifiks könnten dann anhand von Verschiebungen der Meeresströme vorhergesagt werden."
Mitteilung des Census of Marine Life, Washington
Videoaufnahmen der Schlangensternstadt gibt es hier.
ddp/wissenschaft.de – Michael Böddeker


















