Ein neuer Stammbaum für die Vögel
Genetische Analyse zeigt überraschende Verwandtschaftsverhältnisse
Ähnlichkeiten beim Aussehen oder der Verhaltensweise von Vogelarten zeugen nicht immer von einem nahen Verwandtschaftsgrad. Das folgt aus einer groß angelegten Genomstudie, bei der Forscher zeigen konnten, dass sich verschiedene Lebensweisen und äußere Merkmale von Vögeln im Laufe der Evolution mehrmals unabhängig voneinander entwickelt haben.
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Obwohl Vögel zu den am besten erforschten und beliebtesten Tieren gehören, ist ihr evolutionärer Stammbaum bis heute schwer erfassbar. Einen Schritt zu mehr Klarheit hat nun das internationale Team von Wissenschaftlern mit einer Analyse des Erbguts von 169 Vogelarten geschafft. Dabei stellten die Forscher Erstaunliches fest: Das Aussehen täuscht – viele Vogelarten, die aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Verhaltensweise nahe verwandt zu sein scheinen, sind es nicht.
Bisher teilten viele Forscher die heute existierenden Vögel in drei Gruppen ein: Landvögel, Wasservögel und Küstenvögel. Diese Einteilung basiert hauptsächlich auf Lebensweise und Körperbau der Vögel. Die Ergebnisse der Studie widersprechen dieser Klassifikation jedoch in vielen Teilen. So sind zum Beispiel wasserliebende Flamingos nicht so nah mit anderen Wasservögeln verwandt wie gedacht, und der Kuckuck ist genetisch gesehen nicht sehr nahe verwandt mit anderen Landvögeln. Andererseits sind Vögel, die sich äußerlich nicht sehr ähneln, wie Spechte, Eulen und Nashornvögel, sehr nahe Verwandte.
Der Grund, warum es bisher schwierig war, die Evolution der Vögel zu verstehen, war die explosionsartige Vergrößerung der Artenvielfalt vor 65 Millionen Jahren. Wegen dieses rapiden Anstiegs der Zahl der Arten gab es kaum Zwischenformen, die es ermöglicht hätten, mit den bisher bekannten vergleichenden Methoden die Verwandtschaftsverhältnisse der Vögel festzustellen. Durch die genetische Studie können Wissenschaftler jetzt eine präzisere Einteilung der Vogelarten auf der Basis ihrer Erbanlagen vornehmen.
Shannon Hackett (Field-Museum, Chicago) et al.: Science, Bd. 321, S. 1763
ddp/wissenschaft.de – Uwe Thomanek


















