Mensch schlägt Computer beim Musizieren
Musikalischer Ausdruck ruft besondere Emotionen beim Hörer hervor
Pianisten rufen mit ihrer Interpretation eines Musikstücks im Gehirn von Zuhörern deutlich heftigere emotionale Reaktionen hervor als ein Computer, der dasselbe Stück emotionslos abspult. Das haben Forscher um Stefan Koelsch von der Universität von Sussex in Brighton in Experimenten herausgefunden, bei denen sie die Hirnaktivität von Hörern aufzeichneten, die Ausschnitte aus Klaviersonaten von Beethoven, Haydn, Mozart und Schubert zu hören bekamen.
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Die Forscher spielten 20 Probanden im Alter von 19 bis 29 Jahren kurze Ausschnitte aus den Klavierwerken vor, die immer mit einem unerwarteten Akkord endeten. Auf die Reaktion der Zuhörer auf diesen Akkord hatten es die Forscher abgesehen, als sie Gehirnströme, Hautleitfähigkeit und Herzrhythmus beim Hören aufnahmen. Die Musikstücke waren authentische Konzertaufnahmen von Pianisten, die beispielsweise durch Variation in Lautstärke und Tempo Emotion in die Interpretation brachten. Bei einem Teil der Stücke eliminierten die Forscher mit einer Software diese emotionalen Elemente.
Das Gehirnstrommuster und auch die Leitfähigkeit der Haut zeigten charakteristische Signale, wenn der Melodienverlauf in den unerwarteten Akkord mündete. Wenn allerdings das Musikstück mit starker künstlerischer Verve vorgetragen wurde, waren bestimmte Hirnstromkanäle besonders aktiv. Das Gehirn versucht dann, dem Musikstück eine emotionale Bedeutung zuzuordnen – ganz ähnlich wie beim Verstehen von Sprache, erläutert Koelsch: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Musiker den Zuhörern etwas mitteilen, wenn sie spielen." Selbst wenn die Zuhörer keine musikalische Ausbildung haben und beispielsweise kein Instrument spielen, können sie der musikalischen Botschaft des Interpreten folgen und diese verstehen.
Stefan Koelsch (Universität von Sussex in Brighton) et al.: PLoS One, DOI 10.1371/journal.pone.0002631
ddp/wissenschaft.de – Martin Schäfer


















