Selektive Wahrnehmung auch bei Froschweibchen
Weibliche Tungara-Frösche nehmen nur das Rufen der Männchen ihrer Art wahr
Die Weibchen des Tungara-Frosches überhören im Gegensatz zu den Männchen während der Paarungszeit die Rufe artfremder Frösche. Diese selektive Wahrnehmung spiegelt sich bereits im Gehirn wider: Die Hirnregion der Frösche, die für die Entscheidungsprozesse verantwortlich ist, wird bei den Weibchen nur durch Laute von arteigenen Männchen aktiviert, fanden Forscher um Kim Hoke von der Universität von Texas in Austin heraus. Damit verhindern die Weibchen eine Paarung mit fremden Männchen und können so ihre Fortpflanzungfähigkeit effizienter nutzen.
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Die Weibchen des Tungara-Frosches, der in den tropischen Gegenden Mittel- und Südamerikas beheimatet ist, folgen immer nur dem wimmernden Paarungsruf ihrer eigenen Männchen. Die Froschmännchen sind hingegen nicht wählerisch und reagieren auf jegliche froschähnliche Lautäußerung. Der Neurowissenschaftler Kim Hoke wollte diesem unterschiedlichen Verhalten auf die Spur kommen und spielte je 30 männlichen und weiblichen Tungara-Fröschen Aufnahmen von Paarungsrufen von arteigenen und artfremden Männchen vor. Direkt anschließend töteten die Forscher die Frösche, froren die Gehirne ein und behandelten sie mit radioaktiven Substanzen, um die neuronale Aktivität zu messen.
Das Hörzentrum im Gehirn von Weibchen und Männchen zeigt keine Unterschiede, stellten die Wissenschaftler fest. Beide Geschlechter hören folglich die Rufe aller Froscharten.
Einen Unterschied zwischen den Geschlechtern fanden die Forscher jedoch in dem Bereich des Gehirns, der für das Fällen von Entscheidungen zuständig ist. In diesem Bereich zeigten Weibchen nur eine Aktivität im Hirngewebe beim Paarungsruf des Tungara-Männchens, während die Männchen bei allen Rufen ein Aktivitätsmuster zeigten. Diese Ergebnisse geben Wissenschaftlern neue Anhaltspunkte, um Fragen zur Evolution von Geschlechtsunterschieden im Sozialverhalten zu beantworten, erklärt Jason Miranda von der Harvard-Universität in Cambridge, der ähnliche Fragestellungen beim Sexualverhalten von Mäusen untersucht.
Science, Onlinedienst
ddp/wissenschaft.de – Uwe Thomanek

















