Die Unterdruck-Falle
Windräder können aufgrund der Druckschwankungen an ihren Flügeln für Fledermäuse tödlich sein
Starke Druckunterschiede an den Rotorblättern von Windrädern können für Fledermäuse den Tod bedeuten. Ein plötzlicher Abfall des Luftdrucks kann feinste Blutgefäße in den Lungen der Tiere platzen lassen, was zum sofortigen Tod führt, haben Forscher um Robert Barclay von der Universität in Calgary herausgefunden.
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Die Forscher untersuchten 188 tote Fledermäuse, die in der Nähe von Windkraftanlagen gefunden worden waren, auf innere und äußere Verletzungen. Nur die Hälfte der Tiere schien mit den Rotorblättern direkt in Kontakt gekommen zu sein. Bei 90 Prozent der Tiere stellten die Wissenschaftler jedoch innere Blutungen fest. Wie bei anderen Säugetieren gleicht auch die Lunge von Fledermäusen dünnen flexiblen Beuteln, die von feinen Blutgefäßen umgeben sind. Diese Beutel können sich bei plötzlichem Abfall des Außendrucks überdehnen und die Blutgefäße dadurch zum Platzen bringen.
Ein solches sogenanntes Barotrauma könnte auch durch einen plötzlichen Luftdruckabfall verursacht werden, den Rotoren von Windrädern erzeugen, sagen die Wissenschaftler. So treten an den Spitzen der Rotorblätter, die Geschwindigkeiten von über 250 Kilometern pro Stunde erreichen, starke Wirbel auf, die mit potenziell tödlichen Druckunterschieden einhergehen.
Opfer dieses Phänomens werden hauptsächlich wandernde Fledermäuse. Eine Abnahme dieser Fledermausarten, die sich in der Regel nur langsam vermehren und viele Schädlinge vertilgen, könnte schwere Folgen für die Ökosysteme auf der gesamten Wanderroute der Tiere haben, sagen die Forscher. Da Fledermäuse bei geringen Windgeschwindigkeiten aktiver sind, könnte eine Schutzmaßnahme darin bestehen, während der Migrationsperiode der Tiere die untere Schwelle der Windgeschwindigkeit zu erhöhen, bei der die Rotorblätter sich zu bewegen beginnen, schlägt Koautorin Erin Baerwald vor.
Nach häufigen Berichten über den Tod von Vögeln, die in Windräder geraten sind, ist bisher nur wenig bekannt, dass auch Fledermäuse durch Windräder zu Schaden kommen können. Da sie im Gegensatz zu Vögeln dank ihrer Orientierung per Echolot bewegliche Objekte sogar besser orten können als ruhende Objekte, sei es umso erstaunlicher, dass meist mehr Fledermäuse als Vögel ihren Tod in der Nähe von Windkraftanlagen finden, erklären die Wissenschaftler
Erin F. Baerwald (University of Calgary, Canada) et al.: Current Biology, Bd. 18, R695
ddp/wissenschaft.de – Sonja Römer


















