Lärm stört Fledermäuse nicht
Das Große Mausohr hört seine Beute auch im Verkehrslärm – dennoch bevorzugt es die Stille
Fledermäuse weichen störenden Umgebungsgeräuschen etwa von stark befahrenen Straßen bei der Nahrungssuche aus und ziehen es vor, leckere Falter und Käfer eher in ruhigen Gebieten zu suchen. Dennoch haben sie keinerlei Schwierigkeiten, die Insekten durch deren Eigengeräusche auch bei starkem Lärm zielsicher auszumachen, haben Zoologen um Björn Siemers vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen bei Versuchen mit dem Großen Mausohr herausgefunden. Verblüffenderweise vertreibt aber nicht nur menschengemachter Lärm die Tiere, sie weichen auch natürlichen Geräuschen wie etwa windgepeitschem Schilf aus.
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Fledermäuse orten ihre Beute nicht nur mit ihrem Ultraschall-Echolot, sondern lauschen auch nach deren Eigengeräuschen beim Krabbeln oder Fliegen. Die Forscher um Siemers wollten daher herausfinden, wie stark diese sogenannte passive Ortung von Umgebungsgeräuschen beeinflusst oder gar gestört wird. Sie beobachteten daher das Verhalten des Großen Mausohrs in Flugkäfigen mit 16 Metern Länge, sechs Metern Breite und zwei Metern Höhe. An einem Ende war der Käfig in zwei Separees geteilt, in denen die Forscher Nahrung anboten.
Zunächst flogen die Fledermäuse beide Räume gleichberechtigt an. Dort fanden sie auf zwei von sechs Anflugplattformen lebendige Mehlwürmer vor. Dann spielten die Forscher in einem Separee breitbandigen, computergenerierten Krach ein. Daraufhin wandte sich das Mausohr zu 80 Prozent dem ruhigen Raumteil zu. Als die Forscher Lärm einer 15 Meter entfernten Verkehrsstraße abspielten, suchte das Mausohr den ruhigen Raumteil bei 60 Prozent der Anflüge auf. Das Geräusch von Röhricht im Wind verdrängt die Fledermäuse sogar noch etwas stärker. Diejenigen Tiere, die allerdings in die Krachzone einflogen, hatten keinerlei Schwierigkeiten, die Mehlwürmer auf den richtigen Präsentationstellern zu finden.
Die Forscher schließen aus den überraschenden Ergebnissen, dass Fledermäuse kein Problem haben, ihre Nahrung auch in lauter Umgebung zu finden. Dennoch meiden sie diese im Versuch. Andererseits können sie sich aber auch an Geräusche anpassen, da beispielsweise Fledermäuse in Glockentürmen von Kirchen oder in Hohlräumen von Brückenkonstruktionen schlafen und überwintern. Weitere Untersuchungen der Lärmempfindlichkeit von Fledermäusen sollen helfen, diese gefährdeten Tiere zu schützen. Das Große Mausohr ist in Deutschland streng geschützt.
Björn Siemers (Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen) et al.: Journal of Experimental Biology, Bd. 211, S. 3174.
ddp/wissenschaft.de – Martin Schäfer


















