Vorsicht, bissig!
Riesenvogel mit Zähnen lebte vor Jahrmillionen im heutigen England
Vor 50 Millionen Jahren glitten riesige Wasservögel mit einem Schnabel voll scharfer zahnartiger Knochenspitzen über die Gewässer des heutigen Südostens von England. Das zeigt der Fund eines ungewöhnlich gut erhaltenen Schädelteils von der Isle of Sheppey in der Themsemündung, etwa 40 Kilometer östlich von London. Die Vögel, die zur ausgestorbenen Gattung Dasornis gehörten, ähnelten äußerlich zwar den heutigen Albatrossen, waren jedoch wohl frühe Verwandte der heute lebenden Gänse und Enten, berichtet Gerald Mayr vom Frankfurter Senckenberg-Institut.
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"Gefunden wurde der Schädel bereits vor etwa fünf oder sechs Jahren von einem Privatsammler, der ihn dann vor zwei Jahren an mich weitergegeben hat", berichtet Mayr gegenüber wissenschaft.de. Der Fund stammt aus der Küstenregion der Isle of Sheppey, in der bereits viele Fossilien entdeckt wurden, darunter auch Überreste von anderen Wasservögeln mit sogenannten Pseudozähnen. Denn schon damals besaßen Vögel keine echten Zähne aus Dentin und Zahnschmelz mehr – die hatten ihre Vorfahren bereits 50 Millionen Jahre zuvor verloren. Einige wenige Vögel, wie eben auch Dasornis, entwickelten jedoch knöcherne Fortsätze, die entlang der Kanten des Schnabels angeordnet waren. Damit haben sie "zahnähnliche Strukturen quasi wieder neu erfunden", wie es Mayr formuliert. Vermutlich sollten die Spitzen verhindern, dass im Flug aus dem Wasser geschnappte Fische und Kalmare wieder aus dem Schnabel herausrutschten.
Erhalten ist vor allem der hintere Bereich des Schädels und ein Stückchen des Schnabels. Von den zahnartigen Knochenvorsprüngen sind allerdings nur noch zwei Bruchstücke vorhanden. "Man sieht aber noch relativ gut die Furchen, die die Spitzen bei geschlossenem Schnabel aufnahmen", erzählt Mayr. Das Schädelfragment misst etwas mehr als 17 Zentimeter, ist aber ursprünglich wohl mindestens doppelt so lang gewesen. Mayr hält auch eine Größe von 40 bis 45 Zentimetern nicht für unwahrscheinlich. Insgesamt könnte der Vogel eine Flügelspannweite von mehr als fünf Metern – über anderthalb Meter mehr als heutige Albatrosse – gehabt haben. Damit war er wohl einer der größten Vögel der damaligen Zeit, und der Schädel ist das bisher besterhaltene Zeugnis dafür. "Man kennt zwar schon eine ganze Reihe Überreste dieser Vögel, aber keines in dieser Größe", betont Mayr.
Gerald Mayr (Senckenberg-Institut, Frankfurt): Palaeontology, Bd. 51, S. 1107
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel



















