Seele im Stein
Archäologen finden auf Grabstein in der heutigen Türkei Hinweise auf die Vorstellung einer unsterblichen Seele
Eine in der Türkei gefundene Grabsteinplatte aus dem 8. Jahrhundert vor Christus deutet darauf hin, dass die damaligen Menschen an eine unsterbliche Seele glaubten. Das schließen Wissenschaftler von der Universität von Chicago aus der Inschrift auf der Steinplatte, die besagt, dass die Seele des Verstorbenen in der Steinstele wohnt. Der ngewöhnliche Fund stammt aus Zincirli in der Südosttürkei.
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Die Expedition um David Schloen vom Orientalischen Institut der Universität Chicago hatte die über 360 Kilogramm schwere Steinplatte im Sommer dieses Jahres bei Ausgrabungsarbeiten in der antiken Stadt Samal entdeckt. Samal war früher die Hauptstadt eines großen Königreiches und ist heute eine der wichtigsten Ausgrabungsstätten der Eisenzeit. Die Entschlüsselung der Inschrift ergab, dass es sich um die Grabplatte eines Mannes namens Kuttamuwa handelt, einem Diener des damaligen Königs Panamuwa. Aus der Inschrift geht hervor, dass Kuttamuwa diese selbst verfasst hat und glaubt, dass seine Seele in der Steinplatte weiterleben wird. Außerdem ist Kuttamuwa auf der Grabplatte selbst abgebildet, mit einem Mantel, einer Zipfelmütze und einem Glas Wein in der Hand.
"Die Steinplatte ist in fast makellosem Zustand und zeigt eine einmalige Kombination von Text- und Bildelementen", sagt David Schloen. "Sie stellt eine wichtige Ergänzung unseres Wissens über alte Sprachen und Kulturen dar." Die Grabtafel zeige eindrücklich, dass im alten Samal die semitische und die indoeuropäische Kultur gleichzeitig lebendig waren. So sind die Namen Kuttamuwa und Panamuwa indoeuropäischen Ursprungs, während die Grabinschrift in einem westsemitischen Dialekt verfasst ist.
Dabei bringt die Inschrift den Glauben zum Ausdruck, dass die Seele des Verstorbenen unsterblich ist und in der Steinstele, die den Namen und das Abbild des Verstorbenen trägt, weiterlebt. Im traditionellen semitischen Glauben wohnt die Seele dagegen in den Gebeinen des Toten.
Die Grabungsstätte Zincirli wurde bereits um 1890 von deutschen Archäologen untersucht, wobei massive Stadtmauern, Tore und Paläste entdeckt wurden. Dabei wurden auch einige königliche Inschriften auf Steinplatten gefunden. Die Grabplatte von Kuttamuwa ist jedoch die erste ihrer Art, die intakt an ihrem ursprünglichen Standort gefunden wurde. In zukünftigen Expeditionen wollen Schloen und sein Team große Bereiche der antiken Stätte ausgraben, um so die soziale und wirtschaftliche Struktur der Stadt und ihre Kultur besser zu verstehen.
David Schloen (Universität Boston, USA) et al.: SBL Annual Meeting
ddp/wissenschaft.de – Christine Amrhein


















