Verschnupfte Vögel
Erkältungsvirus sprang von Geflügel auf den Menschen über
Ein vor allem bei Kindern häufiges Erkältungsvirus befiel ursprünglich Vögel und schaffte erst vor etwa 200 Jahren den Sprung auf den Menschen. Das haben Forscher entdeckt, als sie die Gene des Virus mit denen eines verwandten Erregers verglichen, der auch heute noch ausschließlich Vögel infiziert. Das Humane Metapneumovirus oder HMPV, so der Name der menschlichen Variante, kommt mittlerweile weltweit vor und kann Infektionen der oberen und der unteren Atemwege verursachen.
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Entdeckt wurde HMPV zwar erst im Jahr 2001, die Untersuchung von eingelagerten Blutproben zeigte jedoch, dass das Virus bereits in den 1950er Jahren weit verbreitet war. Es ist unter anderem verwandt mit anderen Erkältungsviren und den Erregern von Mumps und Masern. Am stärksten ähnelt es jedoch einem Virus namens AMPV-C, das bei Geflügel akute Atemwegsinfektionen verursacht und ebenfalls weltweit vorkommt.
Die ausgeprägte Ähnlichkeit habe den Schluss nahegelegt, dass HMPV aus AMPV-C entstanden sein könnte, erläutert Mitautor Ron Fouchier. Tatsächlich bestätigte sich dieser Verdacht, als er und seine Kollegen Virusproben aus einem Zeitraum von 25 Jahren analysierten. Dabei rechneten die Wissenschaftler ausgehend von der aktuellen Veränderungsrate pro Jahr zurück, wie viel Zeit seit der Trennung der beiden Stämme vergangen sein muss. Die Menschen- und die Vogelvariante stammen demnach von einem gemeinsamen Vorfahren ab, der bis vor etwa 200 Jahren existierte. Die genetische Vielfalt, die heute beim HMPV zu finden ist, entwickelte sich dann innerhalb der vergangenen 130 Jahre. Da AMPV-C zudem in sehr viel mehr verschiedenen Varianten vorkommt als die humane Form, müsse HMPV aus dem Vogelvirus entstanden sein, so die Schlussfolgerung der Forscher.
Heute ist er der zweithäufigste Erkältungserreger bei kleinen Kindern, und im Alter von fünf Jahren hat nahezu jedes Kind mindestens eine HMPV-Infektion hinter sich. Die Symptome reichen von leichten Beschwerden wie einer laufenden Nase, einem rauen Hals, Husten und leichtem Fieber bis hin zu schwereren Fällen von Bronchitis und Lungenentzündung.
Miranda de Graaf (Erasmus-Universität, Rotterdam) et al.: Journal of General Virology, Bd. 89, S. 2933
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel

















