Angst fliegt in der Luft
Forscher finden Hinweise auf eine Rolle von Pheromonen bei ansteckender Furcht
Angst wirkt ansteckend und kann über den Geruch unbewusst von einer Person auf eine andere übertragen werden. Darauf deuten Experimente amerikanischer Forscher mit Angstschweiß hin, dessen Geruch bei den Probanden eine Angstreaktion im Gehirn auslöste. Damit reagieren Menschen wahrscheinlich doch auf Pheromone - Geruchsbotenstoffe, die durch die Luft verbreitet werden.
ANZEIGE
Die Forscherin Liliane Mujica-Parodi der Stony-Brook-Universität in New York stattete 40 Freiwillige mit saugfähigen Kissen aus, die von den Versuchsteilnehmern bei einem Fallschirmsprung unter den Achseln getragen wurden. Da die Probanden zuvor noch nie den Nervenkitzel eines Fallschirmsprungs gesucht hatten, rechnete die Versuchsleiterin mit einer erhöhten Produktion von Angstschweiß.
Später im Labor extrahierten die Wissenschaftler um Mujica-Parodi den Schweiß aus den Kissen. Die versprühten Düfte mussten weitere Freiwillige inhalieren, während sie Magnetresonanztomographen lagen. Verglichen mit einer Kontrollgruppe, die nur gewöhnlichen Schweiß einatmete, konnten die Forscher eine erhöhte Aktivität in den Angstzentren der Probanden nachweisen. Aus diesem Grund schließt Mujica-Parodi auf versteckte biologische Komponenten: Über diese Pheromone könnte körperlicher Stress ansteckend werden.
Dieses Thema ist nach wie vor sehr umstritten, obwohl Wissenschaftler schon in früheren Studien Reaktionen von Menschen auf Pheromone beobachtet hatten. Während Tiere eigene Rezeptoren für bioaktive Duftstoffe haben, scheinen Menschen ihre Empfindlichkeit für Pheromone im Laufe der Evolution verloren zu haben. Daher ist der Mechanismus, über den die Stoffe wahrgenommen werden sollen, noch völlig unklar.
Kritiker schreiben den Pheromonen beim Menschen höchstens eine untergeordnete Rolle zu. Die Furcht mancher Menschen, durch Pheromone unbewusst manipulierbar zu sein, sei unbegründet. Ohne den nötigen Kontext einer realen Situation zeigte sich bei mehreren Studien kein Effekt der Botenstoffe. So konnten Wissenschaftler beispielsweise den Effekt von männlichen Pheromonen auf Frauen nur dann nachweisen, wenn sich auch ein Mann im Untersuchungsraum befand.
New Scientist, Bd. 200, Nr. 2685
ddp/wissenschaft.de – Stefan Pröll


















