Wo Elefanten alt werden
In Gefangenschaft haben die Dickhäuter eine kürzere Lebenserwartung
Elefanten in Zoos haben eine wesentlich geringere Lebenserwartung als in Freiheit lebende Tiere. Das haben britische Forscher bei der Analyse der Lebensdaten von 4.500 afrikanischen und asiatischen Elefanten nachgewiesen. Die eingesperrten Dickhäuter leiden unter vielen Krankheiten, die in freier Wildbahn sehr selten auftreten, sind häufig zu dick und starken psychischen Belastungen ausgesetzt. Ohne Nachwuchs von jungen Elefanten, die in freier Wildbahn eingefangen werden, würden Elefanten in Zoos aussterben, sagen die Wissenschaftler um Ros Clubb von der Tierschutzorganisation RSPCA.
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Insgesamt untersuchten die Forscher die Daten von 786 weiblichen Tieren in europäischen Zoos, 1.089 afrikanischen Elefanten aus dem Amboseli-Nationalpark in Kenia und 2.905 asiatischen Elefanten aus der Holzindustrie in Myanmar, dem früheren Burma. Diese ebenfalls in Gefangenschaft lebenden asiatischen Elefanten dienten dabei als Vergleichsgruppe. Bei den Zootieren konzentrierten sich die Wissenschaftler auf die weiblichen Individuen, da die Gesundheit der Weibchen für das Überleben der Population ausschlaggebend ist.
Die statistische Auswertung der Daten ergab für afrikanische Elefanten, die in Gefangenschaft geboren worden waren, eine Lebenserwartung von lediglich 16,9 Jahren. Die Weibchen aus dem Amboseli-Nationalpark wurden mit durchschnittlich 56 Jahren in Freiheit mehr als dreimal so alt. Die Sterblichkeit von Jungtieren unterscheidet sich in beiden Populationen kaum, dennoch starben die Weibchen wesentlich früher, wenn sie in einem Zoo geboren worden waren.
Bei asiatischen Elefanten, die in Zoos geboren wurden, betrug das durchschnittliche Sterbealter 18,9 Jahre, während die Dickhäuter aus der Holzindustrie im Schnitt 41,7 Jahre alt wurden. Bei den asiatischen Elefanten zeigte sich ebenfalls ein eindeutiger Unterschied zwischen der Überlebensrate von Tieren, die entweder in Freiheit oder in Gefangenschaft in Zoos geboren worden waren. Die Sterblichkeit der in Zoos geborenen Jungtiere war höher als bei den Arbeitstieren, auch wenn sich die Überlebensrate der jugendlichen Tiere in beiden Populationen nur mehr geringfügig unterscheidet.
Die Forscher konnten durch die Auswertung der Daten einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Lebenserwartung und dem Geburtsort der Tiere nachweisen. Dabei fanden sie heraus, dass häufige Transporte den Elefanten genauso schaden wie die zu frühe Trennung von Muttertier und Kalb. Dadurch sind die Tiere großem Stress ausgesetzt, der sich neben Überfütterung besonders negativ auf ihre Lebenserwartung auswirkt, sagen die Forscher. Die Frage, ob die großen Landsäugetiere überhaupt in Gefangenschaft gehalten werden sollten, ist seit langem Gegenstand von Kontroversen.
Ros Clubb (RSPCA, Southwater, UK) et al.: Science, Bd. 322, S. 1649
ddp/wissenschaft.de – Stefan Pröll
Elefanten (audio/mpeg, 4.9 MB)
Hören Sie dazu in unserem Audio-Podcast "Wissen hören" ein Interview mit dem Tierarzt der Stuttgarter Wilhelma.




















