Archäopteryx mit Emu-Ohr
Der Urvogel hörte wahrscheinlich ähnlich gut wie der heute lebende Laufvogel
Der Urvogel Archäopteryx hatte ein ähnliches Gehör wie die heute lebenden Emus: Er höre am besten Frequenzen von etwa 2.000 Hertz, haben Wissenschaftler aus Großbritannien, Deutschland und den USA in einer Analyse herausgefunden. Die Forscher hatten Computertomographien des Innenohrs von 59 heute noch lebenden Reptilien und Vögeln analysiert und daraus ein Modell entwickelt, mit dem sich Rückschlüsse auf das Hörvermögen eines Tieres ziehen lassen. Dieses Modell wendeten sie auf ausgestorbene Arten wie den Urvogel Archäopteryx an.
ANZEIGE
Die Wissenschaftler hatten in ihrer Untersuchung 59 Tierschädel – vom Krokodil über Eidechsen und Schildkröten bis hin zu Vögeln wie Eulen, Tauben und Emus – in einem dreidimensional und mit hoher Auflösung arbeitenden Computertomographen untersucht. Aus den Bildern bestimmten die Forscher die Länge des Schneckengangs – jenem knöchernen Teil des Innenohrs, der das eigentliche Hörorgan mit den feinen Haarzellen beherbergt, die mechanische Schwingungen in Nervensignale umwandeln.
Zwischen der Länge dieses Schneckengangs und dem Frequenzbereich, in dem das Gehör der Tiere am empfindlichsten ist, konnten die Forscher einen linearen Zusammenhang beobachten. Angewandt auf den Hörapparat des mehr als 140 Millionen Jahre alten Archäopteryx ergab sich, dass der Urvogel Frequenzen zwischen 600 und 3.400 Hertz hörte, wobei bei etwa 2.000 Hertz das Maximum des Hörvermögens lag. Damit hörte der Archäopteryx etwa ähnlich gut wie der Emu, der unter den heutigen Vögeln zu den weniger sensiblen Hörern zählt.
Da das Hörvermögen auch das soziale Leben prägt und umgekehrt, könnten möglicherweise mit Hilfe dieser Ergebnisse Rückschlüsse auf die Lebensweise dieser Urvögel gezogen werden, spekulieren die Forscher. Arten, die große soziale Gruppen bilden, haben eine kompliziertere Kommunikation über Laute, und diese hänge wiederum mit der Hörfähigkeit zusammen, erklärt Paul Barrett, einer der beteiligten Wissenschaftler.
Stig Walsh (Naturgeschichtliches Museum, London) et al.: Proceedings of the Royal Society B, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2008.1390
ddp/wissenschaft.de – Ulrich Dewald




















