Mond mit Kern
Forscher finden Hinweise auf früheres Magnetfeld bei dem Erdsatelliten
Der Mond besaß vor 4,2 Milliarden Jahren ein dauerhaftes Magnetfeld, hat eine neue Analyse von Mondgestein gezeigt. Erzeugt wurde dieses Magnetfeld wahrscheinlich durch einen flüssigen Mondkern, ähnlich dem heutigen Erdkern. Das folgern Ian Garrick-Bethell vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und seine Kollegen aus Untersuchungen des ältesten bekannten Felsbrockens vom Mond, der nicht durch einschlagende Meteoriten nachträglich verändert wurde.
ANZEIGE
Alles Gestein, das Astronauten bisher vom Mond zur Erde gebracht haben, ist magnetisch. Bisher vermuteten Wissenschaftler, dass Mondsteine diese magnetischen Eigenschaften dem Einschlag von Meteoriten verdanken, von denen der Mond am Anfang seiner Geschichte flächendeckend bombardiert wurde. Die Forscher um Garrick-Bethell widersprechen nun dieser Theorie: Damals, vor etwa vier Milliarden Jahren, brodelte unter der Mondkruste mineralhaltiges Magma. Als das Gestein sich nach und nach abkühlte, hinterließ ein dauerhaftes Magnetfeld des Mondes eine Art magnetischen Fingerabdruck im Gestein, erklären sie.
Die Wissenschaftler stützen ihre Aussagen auf den Fund eines solchen Fingerabdrucks, den sie nun mit neuen Messtechniken in Mondgestein entdeckten. Der bei der NASA unter dem Namen "Troctolite 76535" bekannte Brocken ist etwas kleiner als ein Tennisball und gelangte bereits 1971 mit der Mondmission Apollo 17 zur Erde. Nach den Ergebnissen der Forscher entstand der Stein beim Erkalten der Magma innerhalb von einigen Millionen Jahren. In diesen Zeitraum hat ein stabiles Magnetfeld bestanden, konnten die Forscher zeigten.
Die Stärke des Magnetfelds betrug mindestens ein Mikrotesla und war damit etwa 50-mal schwächer als das Magnetfeld der Erde. Diese ist jedoch auch über 80-mal schwerer als der Mond. Die Forscher folgern daraus, dass auch der Mond wie die Erde heute einen Kern besaß, in dem ein Strom von elektrisch leitendem flüssigen Gestein ein Magnetfeld erzeugt wie ein riesiger Dynamo.
Der jetzt analysiert Stein gelangte wohl vor 4,2 Milliarden Jahren an die Mondoberfläche, wo er sich 10.000 Jahre lang weiter abkühlte und das Magnetfeld dabei erneut seine Spuren hinterließ. Der Stein ruhte nunmehr vier Milliarden Jahre unbehelligt, bis ihn ein Astronaut mit zur Erde nahm. ,
Ian Garrick-Bethell (MIT) et al.: Science, Bd. 323, S. 356
ddp/wissenschaft.de – Martin Rötzschke


















