Die Ameisenflüsterer
Raupen ahmen Geräusche von Ameisenkönigin nach
Schmetterlingsraupen machen es sich in Ameisenhaufen gemütlich und ahmen Geräusche der Königin nach, um exklusiven Service von den Arbeiterameisen zu erhalten. Das haben Biologen um Francesca Barbero von der Universität Turin herausgefunden. Sie vermuten, dass die akustische Kommunikation in der Organisation des Ameisenstaates eine weitaus größere Rolle spielt als bisher gedacht.
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Die Raupen der Schmetterlingsart Maculinea rebeli können ähnliche Chemikalien absondern wie Ameisenlarven. Die Arbeiterameisen halten daher die Raupen für den eigenen Nachwuchs ihrer Kolonie und tragen sie bereitwillig in den gut bewachten Ameisenhaufen. Dort lassen sich die Schmetterlingsraupen Monate lang durchfüttern. Die schmarotzenden Raupen haben sogar den Vorzug gegenüber gewöhnlichen Ameisenlarven bei Futterknappheit und Evakuierungen.
Wie die Raupen zu dieser Sonderbehandlung kommen war bisher unklar. Die Forscher vermuteten, dass akustische Signale eine Rolle spielen. Also nahmen sie mit winzigen Mikrofonen Geräusche von den Raupen, von Ameisenköniginnen und Ameisenlarven auf und verglichen sie. Das Ergebnis: Die Geräusche von Königin und gewöhnlicher Larve unterschieden sich deutlich. Die Geräusche der Schmetterlingsraupe ähnelten hingegen denen der Königin.
Um die Bedeutung der Geräusche zu untersuchen, spielten die Forscher Arbeiterameisen die Aufnahmen durch kleine Lautsprecher vor. Wenn die Tiere die Geräusche ihrer Königin hörten, versammelten sie sich um den Lautsprecher und betasteten ihn mit ihren Antennen. Einige Ameisen kletterten sogar darauf, um ihn zu bewachen. Die Geräusche der Raupe erregten ähnliche Aufmerksamkeit, jedoch stellten sich viel seltener Ameisen als Wachen auf. Der Effekt der Geräusche von Ameisenlarven war noch geringer. Die Forscher schließen daraus, dass die akustische Kommunikation von Ameisen höher entwickelt und wichtiger ist als bisher gedacht. Sie vermuten, dass sie auch von anderen Parasiten ausgenutzt wird: Bis zu 10.000 andere Tierarten verstehen sich darauf, sich die Annehmlichkeiten der Ameisensozialstaaten zu erschwindeln.
Francesca Barbero (Universität Turin) et al.: Science (Bd. 323, S. 782)
ddp/wissenschaft.de – Martin Rötzschke


















