Schmarotzen mit Biotechnik
Parasitäre Wespen adoptierten einen Virus für ihre Zwecke
Die Partikel, mit denen parasitäre Wespen Raupen betäuben, haben sich aus einem eigenständigen Virus entwickelt. Vor etwa 100 Millionen Jahren wurden die Wespen mit dem Virus infiziert, seitdem haben sie ihn für ihre Zwecke umgestaltet und teilweise in ihr Genom integriert. Das haben Forscher herausgefunden, als sie die DNA der Betäubungspartikel mit der von neu entdeckten Viren verglichen.
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Unter Viren versteht man unvollständige Organismen, die sich nicht selbstständig vermehren können. Sie befallen eine Wirtzelle und lassen ihre DNA dort in Proteine übersetzen und kopieren. In vielen parasitären Wespenarten beherbergen die Weibchen in bestimmten Zellen sogenannte Polydnaviren und nutzen sie für ihre Zwecke: Wenn die Wespe eine Raupe sticht und dabei ihre Eier ablegt, werden auch die Virenpartikel übertragen und verhindern, dass das Immunsystem der Raupe die Eier angreift.
Gewöhnlich besitzen Viren Gene für eine Proteinhülle, in welche ihre DNA verpackt und auf andere Zellen übertragen wird. In den Polydnaviren fehlen jedoch solche Gene, sie finden sich stattdessen in der DNA der Wespe. Darum war bisher unklar, ob Polydnaviren von einem eigenständigen Virus abstammen oder ob sie sich direkt in der Wespe entwickelt haben.
Die Forscher fanden nun deutliche Hinweise, dass die Polydnaviren mit kürzlich entdeckten Virusarten verwandt sind: Sie durchsuchten Genome von drei Wespenarten nach Genen für Hüllenproteine und verglichen diese Gene mit denen von sogenannten Nuriviren. Dabei fanden die Forscher mehrere Ähnlichkeiten und kommen zu dem Schluss, dass ein Vorfahr der Nuriviren vor etwa 100 Millionen Jahren die Wespen befiel. Teile der Virus-DNA integrierten sich schließlich in das Wespengenom.
Annie Bézier (Université François Rabelais, Tours) et al.: Science (Bd. 323, S. 929)
ddp/wissenschaft.de – Martin Rötzschke


















