Pioniere in Seide
Die Naturfasern könnten auch außerhalb Chinas erfunden worden sein
Die erste Seide wurde möglicherweise nicht in China, sondern im heutigen Pakistan produziert: Bei Ausgrabungen im Osten Pakistans haben Archäologen antike Seidenfasern entdeckt, die älter als alle bislang außerhalb Chinas entdeckten Fasern sind. Die Forscher um Irene Good von der Harvard University in Cambridge vermuten daher, dass sich die Seidenproduktion im Indus-Gebiet parallel zur chinesischen entwickelt haben könnte.
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Die antiken Seidenfasern stammen von zwei Ausgrabungsstätten im Flusstal des Indus: aus der Stadt Harappa und dem 500 Kilometer weiter südlich liegenden Chanhu Daro in der Provinz Sindh. Bei der Untersuchung der Seidenstruktur entdeckten die Forscher, dass die Seide von einem Seidenspinner der Gattung Antheraea gewonnen wurde. Chinesische Seide stammt dagegen von dem domestizierten Seidenspinner Bombyx mori.
Die Harappa-Seide wurde wie die chinesische Seide mit einer Technik hergestellt, die Abhaspeln genannt wird. Dabei wird aus mehreren Kokonfilamenten der Seidenraupe ein einzelner Seidenfaden produziert. Bisher war angenommen worden, dass diese Seidentechnologie bis in die ersten Jahrhunderte nach Christus hinein allein das Geheimnis der Chinesen war. Die frühesten Hinweise auf Seidenproduktion in China gehen zurück auf etwa 2570 vor Christus.
Die jetzt entdeckte Seide in Pakistan ist aber ähnlich alt. "Das ist der erste Beweis für Seide außerhalb von China zu diesem frühen Zeitpunkt", sagt Good. Bisher gab es Seidenfunde außerhalb Chinas erst ab 1500 vor Christus. "Ich glaube, dass die Menschen der Indus-Zivilisation entweder selbst Kokons der Seidenraupen ernteten oder mit Leuten handelten, die dies taten", erklärt Good. Es wäre aber auch möglich, dass die Chinesen schon viel früher als bisher angenommen Seide kommerziell herstellten, vermutet die britische Seidenexpertin Shelagh Vainker vom Ashmolean Museum in Oxford.
Nature, Onlinedienst
Originalarbeit der Forscher: Irene Good (Harvard University) et al.: Archaeometry, DOI: 10.1111/j.1475-4754.2008.00454.x
ddp/wissenschaft.de – Helmine Braitmaier

















