Warum Alkohol nicht sprachlos macht
Alkoholiker verlieren trotz Hirnschäden ihre Sprachfähigkeit erst sehr spät
Alkoholiker schädigen ihr Gehirn massiv, die sprachlichen Fähigkeiten werden davon jedoch kaum beziehungsweise erst in einem sehr späten Stadium beeinträchtigt. Auf der Suche nach einer Erklärung dafür haben Forscher nun die Gehirnaktivität von Alkoholikern untersucht und kommen zu dem Schluss, dass andere Hirnareale einspringen, um Schäden am Sprachzentrum auszugleichen – auf Kosten anderer geistiger Prozesse, die gewöhnlich während des Sprechens ablaufen, vermuten die Wissenschaftler.
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Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass dauerhafter Alkoholkonsum den Frontallappen und das Kleinhirn beschädigt, erklären die Forscher. Obwohl diese Gehirnregionen bekanntermaßen an der Sprachverarbeitung beteiligt seien, bliebe die Fähigkeit, zu sprechen und Gesprochenes zu verstehen, bei Alkoholikern weitgehend erhalten.
In ihrem Experiment beobachteten die Forscher die Gehirnaktivität von 12 Alkoholikern sowie 12 gesunden Menschen, während diese sprachliche Aufgaben bewältigten. Was Leistungsmerkmale wie Fehler und Reaktionszeiten betrifft, schnitten die beiden Gruppen etwa gleich ab. Jedoch zeigte das Gehirn der Alkoholiker stärkere Aktivitäten außerhalb der typischen Sprachregionen. Die Forscher schließen daraus, dass sich diese Regionen an der Sprachverarbeitung beteiligen, um Schäden auszugleichen und die sprachliche Fähigkeit zu erhalten. Die eigentliche Aufgabe dieser Regionen sei dadurch vermutlich beeinträchtigt.
Jean-Luc Martinot (Université Paris Descartes) et al.:Alcoholism: Clinical & Experimental Research (Online-Vorabveröffentlichung)
ddp/wissenschaft.de – Martin Rötzschke

















