Kunststück der Evolution
Schmetterlingsflügel locken Partner an und schrecken Fressfeinde ab
Die Flügel mancher Schmetterlinge haben offenbar eine doppelte Funktion: Sie locken Geschlechtspartner an und schrecken zugleich Fressfeinde ab. Dabei dient das Muster auf der Oberseite dazu, die Aufmerksamkeit möglicher Partner auf sich zu ziehen, während das Muster auf der Unterseite Feinde abwehren soll. Dies konnten amerikanische Biologen erstmals mithilfe evolutionärer Modelle nachweisen. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, die Entwicklung der Flügelmuster im Lauf der Evolution besser zu verstehen.
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Schon Charles Darwin hatte die These aufgestellt, dass die Oberseite der Schmetterlingsflügel einem anderen Zweck dienen könnte als die Unterseite. Oliver und sein Team untersuchten diese Behauptung nun mithilfe von Modellen, in denen die Entwicklung bestimmter Merkmale im Lauf der Evolution nachvollzogen wird. Dazu wählten sie den afrikanischen Augenfalter (Bicyclus anynana), der auf beiden Seiten der Flügel auffällige, augenähnliche Punkte besitzt.
Die Augen auf der Oberseite haben sich im Lauf der Evolution sehr viel schneller entwickelt als diejenigen auf der Unterseite, ergaben die Analysen der Forscher. Zudem unterschied sich das Muster auf der Oberseite häufiger zwischen Männchen und Weibchen. Aus früheren Studien ist bekannt, dass Merkmale für die Partnerwahl entwicklungsgeschichtlich schneller entstanden sind als andere Eigenschaften. Daher sprechen die Ergebnisse dafür, dass die Augen auf der Flügeloberseite Geschlechtspartner anlocken, während die auf der Unterseite Fressfeinde abschrecken sollen.
Für diese Schlussfolgerung sprechen auch die Ergebnisse früherer Studien, die das Verhalten der Flattertiere untersucht haben. So sitzen Schmetterlinge oft mit geschlossenen Flügeln da, so dass die Augen auf der Unterseite für Fressfeinde gut zu sehen sind. Die Augen auf der Oberseite sind dagegen nur beim Öffnen der Flügel sichtbar und dienen offenbar der Verständigung mit anderen Schmetterlingen.
Abschreckende und sexuell anziehende Merkmale zur gleichen Zeit zu besitzen, sei eines der ältesten Dilemmas der Natur, erklärt Oliver. „Durch die räumliche Trennung haben die Schmetterlinge dieses Problem offenbar elegant gelöst.“
Jeffrey Oliver (Yale Universität,New Haven) et al: Proceedings of the Royal Society B“ (DOI: 10.1098/rspb.2009.0182)
ddp/wissenschaft.de – Christine Amrhein

















