Weitgereiste Frühlingsblüher
Tulpen schmücken Europas Gärten schon fünf Jahrhunderte länger als gedacht
Die ersten Tulpen gelangten bereits fünfhundert Jahre früher nach Europa als bisher angenommen, haben spanische Forscher herausgefunden. Demnach wurde die Zwiebelblume erstmals in der sogenannten "Umda" erwähnt, berichten die Wissenschaftler um Esteban Hernández Bermejo von der Universität von Cordoba und Expiración García von der School of Arabic Studies in Granada. In dem aus dem 11. oder 12. Jahrhundert stammenden Werk beschreibt der Botaniker Abu I-Jayr die Vegetation Al-Andalusiens, wie der muslimisch beherrschte Teil der Iberischen Halbinsel zu dieser Zeit genannt wurde. Bislang sei man davon ausgegangen, dass die Tulpe Westeuropa erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts erreichte.
ANZEIGE
Die beiden Forscher und ihre Teams hatten bereits mehr als zwanzig Jahre mit dem Studium unzähliger Schriftstücke andalusischer Botaniker und Agrarwissenschaftler verbracht, als sie auf die Eintragung in der "Umda al-tabib" stießen. Bislang ging die erste Beschreibung der Tulpe in Europa auf Ogier Ghislain de Busbecq zurück, einen Gesandten Kaiser Ferdinands I. Als dieser im Jahr 1554 von seinem Herrn zu Sultan Süleyman I. nach Konstantinopel geschickt wurde, schenkte ihm der Herrscher einige Tulpenzwiebeln.
Nach wie vor noch nicht ausreichend bewiesen ist die Reiseroute, auf der die ersten Tulpenzwiebeln nach Holland gelangten. Holland entwickelte sich gegen Ende des 16. Jahrhunderts zu einem Zentrum für die Tulpenzucht – und ist es bis heute. Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Blumen über das Osmanische Reich und das von den Habsburgern beherrschte Heilige Römische Reich nach Holland gelangten.
Einen gewichtigen Beleg dagegen sehen Bermejo und García in der sogenannten Tulpenmanie: Da es in Al-Andalusien keine schriftlichen Zeugnisse für diese Periode gebe, müssten die Zwiebelblumen von dort nach Mitteleuropa gelangt sein, und nicht umgekehrt. Im 17. Jahrhundert war in Holland die Begeisterung für die orientalischen Pflanzen so groß, dass Tulpen extrem hohe Preise erzielten. Ihr Wert stieg zwischen 1623 und 1637 von 1.000 auf 10.000 Gulden, bis er sich nach einem Börsencrash wieder normalisierte.
Esteban Hernández Bermejo et al.: Pressemeldung der Universität von Cordoba
und der School of Arabic Studies
ddp/wissenschaft.de – Mascha Schacht


















