Der Duft des Lebens
Ameisen signalisieren Artgenossen mit ihrem Geruch „ich lebe“
Ameisen produzieren Duftstoffe, mit denen sie sich als lebendige Tiere ausweisen. Dadurch verhindert sie, von ihren Nestkollegen auf den Friedhof der Kolonie gebracht zu werden, haben amerikanische Forscher herausgefunden. Bisher wurde angenommen, dass die Insekten die Verwesung riechen und daraufhin ihre Toten abtransportieren. Dong-Hwan Choe von der Universität von Kalifornien in Riverside und seine Kollegen beobachteten jedoch, dass die Tiere zu Lebzeiten mit Hilfe von zwei chemischen Stoffen signalisieren, dass sie noch fit sind und leben. Sterben die Tiere, lässt der Geruch nach und Nestkollegen tragen sie aus der Kolonie.
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Ameisen und andere staatenbildenden Insekten wie Honigbienen tragen tote Artgenossen aus dem Nest. Dadurch verhindern sie die Verwesung in der Kolonie und die Ansteckung mit möglicherweise gefährlichen Krankheiten. Argentinische Ameisen tragen ihre Toten bereits innerhalb der ersten Stunde nach deren Tod weg – zu einer Zeit, in der noch keine Verwesungsgerüche festzustellen sind, beobachtete Dong-Hwan Choe. Vielmehr stellten die Forscher fest, dass alle Ameisen einen Grundgeruch haben, der die Artgenossen zum Abtransport animiert. Lebendige Ameisen übertünchen diesen Geruch jedoch mit einem anderen Duft, der Vitalität signalisiert.
Die Wissenschaftler identifizierten zwei chemische Stoffe, Dolichodial und Iridomyrmecin, die von der Argentinischen Ameise in einer Drüse am Hinterleib produziert und gespeichert werden. Sterben die Tiere, bauen sich diese Duftstoffe ab und sind nach etwa vierzig Minuten für andere Ameisen nicht mehr zu riechen. Das Leben und nicht den Tod zu riechen, bringt den Insekten zwei Vorteile, kommentieren die Forscher. Zum einem können sie Tote so eher identifizieren und aus dem Nest schaffen. Zum anderen umgehen sie das Problem fälschlicherweise als tot betrachtet zu werden, wenn sie zum Beispiel auf der Futtersuche mit Duftstoffen in Berührung kommen, die andere Ameisen zum Wegtragen animieren.
Dong-Hwan Choe (Universität von Kalifornien, Riverside) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1073/pnas.0901270106
ddp/wissenschaft.de – Bele Boeddinghaus


















