Forscher vermutet: Galileo ist der eigentliche Entdecker des Neptun
Der Gelehrte hat den Planeten möglicherweise mehr als 200 Jahre vor der offiziellen Entdeckung als solchen erkannt
Galileo Galilei hat möglicherweise den Neptun entdeckt – mehr als zwei Jahrhunderte, bevor der Planet vom deutschen Astronomen Johann Gottfried Galle zweifelsfrei nachgewiesen wurde. Diese Hypothese vertritt der australische Physiker David Jamieson nach Auswertungen von Notizen, die Galileo bei seinen Beobachtungen der Jupitermonde hinterlassen hat. Nach Ansicht von Jamieson deuten die Aufzeichnungen darauf hin, dass der Gelehrte einen hellen Punkt in der Nähe des Jupiters richtig als Planeten interpretiert hat.
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Im Januar des Jahres 1613 richtete Galileo Galilei sein selbst konstruiertes Teleskop immer wieder auf den Planeten Jupiter, um die Bahn der Jupitermonde zu verfolgen. Dabei fiel ihm ein vermeintlicher Stern auf, der auch in heutigen Verzeichnissen von Himmelskörpern nicht auftaucht. Unstrittig ist heute unter Astronomen, dass es sich bei diesem leuchtenden Punkt um den Planeten Neptun handelte. Unter anderem hatten Computersimulationen ergeben, dass der Planet in jenen Nächten an besagter Stelle zu sehen gewesen sein muss.
Am 28. Januar 1613 notierte Galileo in sein Tagebuch, dieser vermeintliche Stern hätte sich seinen Beobachtungen nach relativ zu einem benachbarten Stern bewegt. Möglicherweise hatte der Gelehrte damals bereits erkannt, dass es sich bei dem Himmelskörper um einen Planeten handelte, spekuliert Jamieson. Da Planeten um die Sonne kreisen, verändert sich ihre Position relativ zu den Sternen am Firmament ständig, während die Konstellation der Sterne zueinander unverändert bleibt.
Jamieson vermutet nun, Galileo habe nach jener Notiz vom 28. Januar in seinem Tagebuch zurückgeblättert und die Position des Neptuns bei einer Beobachtung am 6. Januar nachträglich mit einem schwarzen Punkt markiert. Dieser Punkt befindet sich tatsächlich an der Position, in der Neptum damals zu sehen gewesen sein muss. Mit einer Analyse der Tinte will Jamieson nun nachweisen, dass Galileo diesen Punkt in der Tat nachträglich hinzugefügt hatte. Wenn dies tatsächlich der Fall war, so könnte dem Astronomen auch bewusst gewesen sein, dass es sich bei dem Himmelkörper wirklich um einen Planeten handelte.
Explizit erwähnt hat der Gelehrte dies jedoch in keiner seiner bekannten Aufzeichnungen. Möglicherweise habe er die Beobachtung in Form eines bisher nicht entschlüsselten Anagramms festgehalten, spekuliert Jamieson. Bei einem Anagramm werden Buchstaben und Silben eines Wortes so umgestellt, dass ein neues Wort entsteht. In Anagrammen hatte Galileo unter anderem von seiner Entdeckung der Saturnringe und der Phasen der Venus berichtet.
David Jamieson (Universität in Melbourne) : Faculty of Science School of Physics
ddp/wissenschaft.de – Ulrich Dewald



















