Das Rätsel um den Ur-Hund
Genetische Vielfalt der Tiere ist auch auf Kontinenten wie Afrika sehr groß, so dass die Domestikation nicht zwingend in Ostasien stattfand
Die Geschichte des Hundes als treuer Begleiter des Menschen ist viel verwickelter als bisher gedacht: So wurden die ersten Hunde nicht zwingend in Ostasien domestiziert, wie Forscher bisher annahmen. Die ersten Haushunde könnten vielmehr auch in einer anderen Region des eurasischen Raums gelebt und sich von dort mit dem Menschen über die Welt verbreitet haben. Das schließen Wissenschaftler eines internationalen Forscherteams aus Genuntersuchungen von Haushunden aus verschiedenen Regionen Afrikas und Amerikas.
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Die genetische Vielfalt bei Hunden in Ostasien ist besonders groß, hatten frühere Studien gezeigt. Daraus zogen Forscher den Schluss, dass hier auch die erste Domestizierung des Wolfs stattgefunden hat und sich daher über einen besonders langen Zeitraum auch eine größere Zahl genetischer Varianten herausbilden konnte als in Gebieten, in denen die Tiere erst später domestiziert wurden. Mit ihren Untersuchungen bringen die Forscher um Adam Boyko von der Cornell-Universität in Ithaca diese These jedoch ins Wanken.
Die Wissenschaftler stützen ihre Aussagen auf Genproben von Hunden aus verschiedenen Regionen Ägyptens, Ugandas und Namibias sowie aus Puerto Rico und den Vereinigten Staaten. Dabei mussten die Forscher zunächst anhand des genetischen Profils unterscheiden, ob die Hunde direkt von den Tieren europäischer Einwanderer der Kolonialzeit abstammten oder ob sie die Nachkommen von Hunden waren, die bereits über Jahrhunderte hinweg in Afrika gelebt hatten. Diese Zuordnung gelang den Wissenschaftlern in den meisten Fällen. Unter diesen sogenannten indigenen Hunden konnten die Forscher eine ähnlich große Vielfalt beobachten, wie sie auch ostasiatische Hunde zeigen.
Das bedeute jedoch keineswegs, dass das Zusammenleben von Hund und Mensch in Afrika begann, betonen die Forscher. Vielmehr deuteten die Daten auf eine nach der ersten Domestizierung sehr rasche Verbreitung des Hundes über die Kontinente hin. Beispielsweise zeigten Hunde aus Uganda und Namibia überraschend große genetische Übereinstimmungen, obwohl beide Länder Tausende von Kilometern voneinander entfernt liegen. Um die Geschichte der Domestizierung vom Wolf zum Hund exakt nachzuzeichnen, seien daher sehr viel weitergehende genetische Untersuchungen nötig, folgern die Forscher.
Adam Boyko (Cornell-Universität in Ithaca) et al.: PNAS, doi 10.1073/pnas.0902129106
ddp/wissenschaft.de – Ulrich Dewald


















