Erste Bauern waren Einwanderer
Zugewanderte betrieben als erste Ackerbau
Die ersten Bauern Mitteleuropas waren keine Einheimischen, sondern sind aus dem heutigen Südosteuropa und dem Nahen Osten eingewandert. Das Erbgut dieser frühen Bauern unterscheidet sich erheblich von dem der ebenfalls vor etwa 10.000 Jahren in der gleichen Region lebenden Jäger und Sammler, hat ein internationales Forscherteam herausgefunden. Die Wissenschaftler hatten das Erbgut von 25 Bauern aus dieser Zeit untersucht und mit dem von Jägern und Sammlern sowie heutigen Europäern verglichen. Dabei fanden sie erhebliche Unterschiede zwischen den drei Gruppen.
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Die anatomisch modernen Menschen verdrängten vor 30.000 bis 40.000 Jahren die Neandertaler. Als sich im Laufe der letzten Eiszeit das Klima verschlechterte, zogen sie sich bis nach dem Maximum der Kälteperiode nach Südosteuropa zurück. Vor ungefähr 11.000 Jahren schrumpften dann die Eisschilder Richtung Norden und der Mensch konnte wieder ganz Europa besiedeln. Die ältesten Belege für Ackerbau und Domestizierung von Haustieren sind gut 7.500 Jahre alt. Ob diese Bauern Verwandte der bereits in Europa lebenden Jäger und Sammler waren, konnten die Wissenschaftler nun teilweise klären: Es waren wohl aus dem Osten zugewanderte Menschen, die nicht zur Jäger-und-Sammler-Gemeinschaft gehörten.
Die Wissenschaftler fanden erhebliche Unterschiede zwischen dem Erbgut der Jäger und Sammler und dem der ersten Bauern. Demnach sei es extrem unwahrscheinlich, dass die eine Gruppe von der anderen abstamme, sagen die Forscher. Trotzdem betrieben später die Menschen in ganz Europa Ackerbau. Die Technik hat sich also über Gruppengrenzen hinweg ausgebreitet. Nicht so das Erbgut, was bedeutet, dass die Gruppen sich nicht vermischten und keine gemeinsamen Nachkommen hinterließen. Dasselbe gilt für moderne Europäer und die Jäger und Sammler: Ihr Erbgut weist so viele Unterschiede auf, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Jäger und Sammler die einzigen Vorfahren der modernen Europäer waren. Die Forscher vermuten, dass es mehrere Einwanderungswellen gegeben hat, im Zuge derer neues genetisches Material nach Mitteleuropa gelangte, wo sich die verschiedenen Kulturen im Laufe der Zeit dann doch vermischten. Die allerersten Bauern waren aber mit großer Wahrscheinlichkeit Zuwanderer.
Für die Forscher ist es sehr schwierig, etwas über die Gruppenstrukturen dieser Menschen zu sagen. Nicht nur ist das genetische Material dünn gesät und es müssen erhebliche Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, um jegliche Kontamination mit heutiger DNA während der Untersuchungen zu verhindern. Solange nur wenige Informationen über das Sozialverhalten und die Ausbildung von Familienstrukturen vorhanden sind, bleiben auch Aussagen darüber, wie viele Individuen sich an der Fortpflanzung beteiligten und so zum Genpool beitrugen, immer ein Stück weit Spekulation, erklären die Wissenschaftler.
Jószef Topál (Universität Budapest):Science (Vol. 325, S. 1269).
ddp-wissenschaft.de - Martina Bisculm


















