Eitelkeit oder egoistische Gene?
Menschen beurteilen Menschen positiv, die ähnlich wie sie selbst aussehen
Gleich und gleich gesellt sich gern: Menschen sind netter zueinander, wenn sie sich ähnlich sehen – das Gegenüber könnte ja ein Verwandter sein. Die englische Forscherin Lisa DeBruine gab am Britischen Wissenschaftsfestival an der Universität von Surrey in Guildford einen Überblick über entsprechende Studien. Der wichtigste Hinweis zum Verwandtschaftsgrad von Mitmenschen ist die Ähnlichkeit zwischen dem eigenen und dem fremden Gesicht. Aufgrund dieser Übereinstimmungen lässt ein evolutionärer Mechanismus Menschen einschätzen, ob es sich lohnt, nett zum anderen zu sein, da er möglicherweise die gleichen Gene besitzt. Bei Vertretern des anderen Geschlechtes sieht es dagegen nicht ganz so aus: Eine zu große Ähnlichkeit wird hier vermieden, da sie das Risiko von Inzucht erhöht.
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In Versuchen hatten Wissenschaftler gezeigt, dass Menschen einander mehr Geld anvertrauen, wenn sie sich ähnlich sehen. Die Probanden hatten dabei eine bestimmte Menge Geld zur Verfügung und konnten entscheiden, wie viel davon sie einem Gegenüber, dessen Bild sie auf einem Bildschirm vor sich hatten, anvertrauen würden. Die Bilder waren jeweils so manipuliert, dass einige davon dem Probanden glichen. Diese stießen auf deutlich mehr Sympathie als diejenigen, die keine Ähnlichkeit mit ihm aufwiesen: Die Versuchsteilnehmer zeigten sich großzügiger, wenn eine Ähnlichkeit zwischen ihnen und dem Gegenüber bestand. Doch nicht in allen Situationen suchen die Menschen ihre Zwillinge. Gesichter von Vertretern des anderen Geschlechtes werden als attraktiver wahrgenommen, wenn sie sich von dem eigenen unterscheiden.
Bei der Partnersuche ist die Sache sogar noch komplexer: An fruchtbaren Tagen werden von Frauen diejenigen Männer als attraktiver eingestuft, die ihnen weniger ähnlich sehen. An unfruchtbaren Tagen hingegen fühlen sie sich mehr zu denjenigen hingezogen, deren Gesichter mehr Ähnlichkeiten mit dem eigenen aufweisen. Wenn tatsächlich Nachkommen gezeugt werden, sollen diese also einen möglichst vielfältigen genetischen Mix erhalten, während in den meisten anderen Situationen Gleichheit vor Fremdheit geht.
Die Resultate spiegeln das Dilemma wider, in dem alle sozialen Arten stecken: Eigentlich ist sich jeder selbst der nächste, aber Verwandte besitzen zumindest teilweise dieselben Gene. Deshalb lohnt es sich, sie zu unterstützen, ihnen zu helfen oder zu vertrauen. Die Verwandtschaft, die ja nicht immer offenliegt, wird bei Menschen am deutlichsten über Gesichtsmerkmale sichtbar. Zu nahe verwandt sollten andere Menschen wiederum insbesondere für die Fortpflanzung auch nicht sein, denn sonst besteht das Risiko von Nachkommen mit genetischen Schäden.
Richard Dawkins hatte die Theorie, dass nicht Individuen, sondern vielmehr Gene die Einheit der natürlichen Selektion sind, in seinem Buch "Das egoistische Gen" von 1976 veröffentlicht. Er erklärt darin die Existenz von Altruismus damit, dass Individuen einander helfen, weil sie teilweise dieselben Gene besitzen. Die von DeBruine zusammengefassten Resultate bestätigen diese These.
Lisa DeBruine (Psychologische Fakultät der Universität von Aberdeen): Vortrag am Britischen Wissenschaftsfestival der Britischen Wissenschaftsgesellschaft an der Universität von Surrey in Guildford.
ddp/wissenschaft.de - Martina Bisculm

















