Sensationsfund: Wasser auf dem Mond
Forscher entdecken Hinweise für Wasserstoff-Sauerstoff-Verbindungen auf der Oberfläche des Erdtrabanten
Auf dem Mond gibt es vermutlich mehr Wasser als angenommen – und zwar nicht nur an den Polen und in tiefen Kratern, sondern auf der gesamten Oberfläche. Darauf deuten die Daten von gleich drei Raumsonden hin: des indischen Satelliten Chandrayaan-1, der seit Ende 2008 den Mond umkreist, der Saturn-Sonde Cassini und der von der Nasa betriebenen Kometenmission Deep Impact. Alle drei Sonden registrierten Signale im von der Mondoberfläche reflektierten Sonnenlicht, die eindeutig auf die Existenz chemischer Verbindungen zwischen Sauerstoff und Wasserstoff im Gestein der Oberfläche hindeuten. Am wahrscheinlichsten sei es, dass es sich bei diesen Verbindungen tatsächlich um Wasser handelt, das sich durch eine Wechselwirkung des Sonnenwinds mit dem Mondgestein ständig neu bildet.
ANZEIGE
Bereits die Apollo-Missionen sollten die Frage klären, ob das Mondgestein Wasser enthält. Eine eindeutige Antwort ließ sich damals jedoch nicht formulieren: Die Behälter, die Proben des Mondgesteins enthielten, waren undicht geworden, so dass die darin enthaltenen Wasserspuren einer Kontamination der Proben auf der Erde zugeschrieben wurden. Gestützt wurde diese Annahme durch die Tatsache, dass in den Mondsteinen keine der chemischen Veränderungen nachgewiesen werden konnten, die normalerweise mit der Anwesenheit von Wasser einhergehen. Später stießen Forscher dann zwar auf Hinweise auf Wasser im Gestein tief im Innern des Mondes. Die Frage nach dem Wasser auf der Oberfläche blieb jedoch unbeantwortet.
Die vorherrschende Vermutung dazu lautete: Wenn Wasser auf der Oberfläche existiert, dann wohl in Form von Eis in der Nähe der Pole und im Innern tiefer Krater, in das die Sonne nicht vordringt. Die neuen Daten legen nun allerdings nahe, dass es zusätzlich einen extrem dünnen Wasserfilm auf der gesamten Oberfläche geben könnte. Zwar fanden die Sonden auch stärkere Sauerstoff-Wasserstoff-Signale in der Nähe der Pole und in frischen Kratern, doch andere Gebiete wiesen ebenfalls messbare Signalstärken auf. Erste Hochrechnungen eines der Teams deuten darauf hin, dass die Wassermenge in einigen Regionen bis zu einem halben Gewichtsprozent des Gesteins ausmachen könnte – vorausgesetzt, die Signale stammen tatsächlich von Wasser und nicht von sogenannten Hydroxylradikalen, extrem reaktiven Teilchen aus einem Wasserstoff- und einem Sauerstoffatom.
Die Quelle der Wasserstoff-Sauerstoff-Verbindungen könnte zum einen der Einschlag von Kometen oder anderen wasserhaltigen Körpern auf der Mondoberfläche sein. Die Forscher halten es jedoch für viel wahrscheinlicher, dass das Wasser oder Hydroxyl ständig auf der Oberfläche nachgebildet wird – vermutlich dann, wenn positiv geladene Wasserstoffionen aus dem Sonnenwind mit dem Sauerstoff auf dem Mondgestein reagieren. Die entstehende Verbindung scheint anschließend in Richtung der kälteren Pole zu wandern und sich dort anzureichern.
Carle Pieters (Brown University, Providence) et al.: Science, Online-Vorabveröffentlichungen, doi: 10.1126/science.1178658
Roger Clark (U. S. Geological Survey): Science, Online-Vorabveröffentlichungen, doi: 10.1126/science.1178105
Jessica M. Sunshine (University of Maryland, College Park) et al.: Science, Online-Vorabveröffentlichungen, doi: 10.1126/science.1179788
ddp/wissenschaft.de - Ilka Lehnen-Beyel


















