Auf der Erde war es schon mal gemütlicher
Vor 80 Millionen Jahren herrschten bessere Lebensbedingungen als heute
Forscher haben ein neues System entwickelt, mit dem sie die auf Himmelskörpern herrschenden Umweltbedingungen quantifizieren können. Damit beurteilen sie Planeten danach, ob und wie sehr diese die Entstehung und Entwicklung von Leben begünstigen. Dieses System lässt sich auch auf die Entwicklung der Erde anwenden: Demnach hat es sich in der späten Kreidezeit vor etwa 80 Millionen Jahren auf der Erde besser gelebt hat als heute. Die vorläufig beste Alternative zur Erde wäre der Saturnmond Enceladus, gefolgt vom Jupitermond Europa und dem Mars.
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Die sogenannte Habitabilität von Himmelskörpern ist ein Maß für die Wirtlichkeit einer Umgebung und wird von verschiedenen Umweltfaktoren wie Temperatur, Atmosphärenzusammensetzung, Klima oder der Feuchtigkeit beeinflusst. Die Forscher konzentrierten sich bei ihrem Standard-Primär-Habitabilität (SPH) genannten Faktor vor allem auf Daten zu Feuchtigkeit und Temperatur, weil diese beiden Größen auf der Erde wie auch auf anderen Planeten leicht flächendeckend gemessen werden können. Ihr System eichten die Wissenschaftler nach Pflanzen, Algen, Plankton und Mikroorganismen – die unterste Stufe der Nahrungskette. Je höher der SPH, desto besser die Lebensbedingungen. Die Erde erreicht heute einen Wert von 0,7.
Es gab aber offenbar eine Periode in der Erdgeschichte, während derer bessere Bedingungen als heute geherrscht hatten. In der späten Kreidezeit vor 65 bis 100 Millionen Jahren wies die Erde einen SPH von 0,9 auf. Allerdings fand damals auch ein Massenaussterben statt, bei dem nicht nur die Dinosaurier ihr Ende fanden. Das Resultat sei sehr interessant vor dem Hintergrund der globalen Klimaerwärmung, schreiben die Forscher. Mendez erklärt: "Wir möchten nun herausfinden, wie sich der SPH verändert, wenn die Temperatur zunimmt".
Doch nicht nur die Erde, sondern auch andere Planeten – die möglicherweise erst noch entdeckt werden – können die Wissenschaftler nach deren SPH beurteilen. Vorläufiger Sieger des interplanetaren Wettbewerbes ist der kleine Saturnmond Enceladus. Die Gebiete mit der großen Bewohnbarkeit liegen allerdings unter der Oberfläche des Himmelskörpers und sind für die Forscher nicht zugänglich. Den besten Kompromiss zwischen Habitabilität und Erreichbarkeit bieten der Jupitermond Europa und der Mars. Weitere Studien sollen die Methode um weitere wichtige Faktoren wie Licht, Kohlendioxid- und Sauerstoffgehalt der Luft oder Nährstoffkonzentrationen im Boden erweitern.
Abel Mendez (Universität von Puerto Rico in Arecibo): Vortrag auf dem Treffen der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft in Fajardo.
ddp/wissenschaft.de - Martina Bisculm


















