Außen Vogel, innen Dino
Archaeopteryx war weniger eng mit den Vögeln verwandt als angenommen
Als "Urvogel" war er einer der Stars unter den Dinos, doch nun verliert der Archaeopteryx ein wenig von seinem Glanz: Seine Verwandtschaft mit den Vögeln ist wesentlich weniger eng als bisher gedacht. Das haben US-Forscher bei der Untersuchung versteinerter Knochen herausgefunden. Wachstum und Entwicklung des Archaeopteryx seien demnach dreimal langsamer gewesen als bei heute lebenden Vögeln und eher mit denen von Sauriern vergleichbar. "Was Physiologie und Stoffwechsel betrifft, hat der Übergang zu dem der echten Vögel erst Millionen Jahre nach dem Archaeopteryx stattgefunden", schließen Greg Erickson von der Florida State University in Tallahassee und sein Team.
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Weltweit wurden erst zehn Exemplare des vor rund 150 Millionen Jahren lebenden Archaeopteryx gefunden. Deshalb würden Knochenuntersuchungen laut Greg Erickson als geradezu blasphemisch betrachtet und seien bislang die Ausnahme geblieben. Dennoch erhielten die Forscher die Erlaubnis, winzige Proben aus einem Exemplar der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie zu entnehmen. Diese untersuchten sie mit Hilfe eines Polarisationsmikroskops und kamen zu einem erstaunlichen Ergebnis: Die Knochen waren sehr dicht, parallelfaserig und nur spärlich mit Blutgefäßen durchzogen, fast wie bei einer Eidechse.
Daraufhin legten die Wissenschaftler auch Knochen nahe verwandter Saurier wie Velociraptor und Deinonychosaurier unter das Mikroskop. Auch Proben zweier weiterer Urvögel – Jeholornis prima und Sapeornis chaoyangensis, die 30 bis 40 Millionen Jahre später lebten – nahmen sie genauer unter die Lupe. Beim Vergleich mit den Knochen des Archaeopteryx und denen heutiger Vögeln kamen sie zu dem Schluss, dass sich die Entwicklung des Urvogels deutlich von der heute lebender Vögeln unterschieden haben muss.
Der etwa rabengroße Archaeopteryx benötigte nach Angaben der Forscher etwa 970 Tage, also mehr als zweieinhalb Jahre, bis er voll entwickelt war. Gleichgroße heute lebende Vögel hingegen bräuchten dazu nur acht bis neuen Wochen. "Die maximale Wachstumsgeschwindigkeit von Archaeopteryx glich der der Dinosaurier: Er wuchs dreimal so langsam wie heute lebende Vögel und viermal so schnell wie heute existierende Reptilien", erläutert Greg Erickson. Auch wenn damit der Abstand zwischen Archaeopteryx und echten Vögeln größer sei als bisher angenommen, ist der Forscher nicht enttäuscht. Denn das zeige immerhin: "Vogelflug war auch mit der Physiologie eines Sauriers möglich."
Greg Erickson (Florida State University, Tallahassee) et al.: Plos One (doi:10.1371/journal.pone.0007390).
ddp/wissenschaft.de – Mascha Schacht


















