Flughund mit besonderen Neigungen
Die fledermausähnlichen Tiere verbessern ihre Fortpflanzungschancen durch orale Stimulation
Nicht nur Menschen, sondern auch Flughunde praktizieren Oralsex. Doch während beim Menschen der Lustgewinn an erster Stelle steht, nutzen Kurznasenflughunde der Art Cynopterus sphinx Fellatio offensichtlich, um ihre Fortpflanzungschancen zu verbessern. Das hat ein chinesisch-britisches Forscherteam bei Untersuchungen des Kopulationsverhaltens der Tiere herausgefunden. Die weiblichen Flughunde stimulierten demnach während des Paarungsvorgangs den Penis des Männchens zusätzlich mit ihrer Zunge. Jede Sekunde oraler Stimulation verlängerte den Geschlechtsakt um sechs Sekunden, was den Befruchtungserfolg verbessern könnte, vermuten die Wissenschaftler um Min Tan vom Guangdong Entomological Institute in Guangzhou.
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Oralsex ist im Tierreich nahezu unbekannt, lediglich junge Zwergschimpansen wurden bislang dabei beobachtet, wobei Wissenschaftlern ihr Verhalten als Spieltrieb interpretierten. Beim Menschen wiederum ist Fellatio zwar weit verbreitet, Forscher sehen jedoch keinen evolutionären Vorteil in dieser Praktik. Bei Kurznasenflughunden könnte dies anders sein. Ihre Theorie stützen die Wissenschaftler um Min Tan vor allem auf die Tatsache, dass bei zwanzig beobachteten Paarungen vierzehn, also rund 75 Prozent, der weiblichen Tiere ihre männlichen Partner oral stimulierten. Dazu beugten sich die Weibchen während der Kopulation immer wieder weit nach vorn und leckten den Penis für einige Sekunden. Je öfter und länger sie dies taten, umso länger dauerte die Paarung.
Das ungewöhnliche Paarungsverhalten könnte gleich mehrere Vorteile mit sich bringen, glauben die Wissenschaftler. Zum einen könnte der Speichel schlicht wie eine Art Gleitgel wirken und die Paarung erleichtern. Zum anderen sei denkbar, dass die zusätzliche Stimulation die Erregung und damit die Erektionsdauer verlängert. Das wiederum könnte die Chance auf eine erfolgreiche Befruchtung erhöhen, wovon letztlich beide Tiere profitieren.
Vielleicht beeinflussen die Weibchen durch eine ausgedehnte Kopulation aber auch das Bindungsverhalten der Männchen. Flughunde leben normalerweise in separaten Gruppen aus männlichen oder weiblichen Tieren und kommen nur zur Paarungszeit zusammen. Ein Männchen begattet dann diverse Weibchen. Ob diese Konstellation durch das Paarungsverhalten beeinflusst wird, müsse jedoch noch weiter untersucht werden, erklären die Forscher. Nach einer weiteren Theorie würde der Oralsex hingegen in erster Linie den männlichen Flughunden zum Vorteil gereichen: Die desinfizierende Wirkung des Speichels könnte der Übertragung von Krankheiten vorbeugen. Für diese Theorie spricht nach Ansicht der Forscher, dass die Männchen nach dem Geschlechtsakt auch selbst noch einmal ihren Genitalbereich lecken.
Min Tan (Entomological Institute, Guangzhou) et al.: Plos One, doi: 10.1371/journal.pone.0007595
Das Verhalten der Tiere zeigt auch ein von den Forschern aufgenommenes Video>>
ddp/wissenschaft.de – Mascha Schacht


















