Angst vor Machos
Bei Wasserläufern kommen die netten Kerle öfter zum Zug
Zurückhaltende Wasserläufermännchen kommen bei den Weibchen besser an als ihre aggressiveren Artgenossen. Das haben amerikanische Wissenschaftler herausgefunden, als sie Wasserläufer der Art Aquarius remigis beobachteten. Die Weibchen flohen vor aggressiven, aufdringlichen Männchen in ruhigere Regionen. Bei der Partnerwahl bevorzugten sie nicht nur die stilleren Artgenossen, sondern legten auch rund dreimal so viele Eier, wenn der Partner ein Gentleman war. Auf diese Weise seien die zurückhaltenderen Wasserläufer letztendlich doch die erfolgreicheren Männchen, auch wenn sie im direkten Wettbewerb gegen aggressivere Artgenossen unterliegen würden, schließen die Forscher um John Pepper von der Binghamton University in New York.
ANZEIGE
Die Beobachtungen der Forscher widerlegen frühere Studien, denen zufolge die aggressiven aufdringlichen Männchen im Vorteil sind: Wenn diese Theorie stimmen würde, müssten sich in der Natur fast ausschließlich aggressive Männchen tummeln. Dies ist aber nicht der Fall, im Gegenteil, die aggressiveren Wasserläufermännchen sind sogar in der Minderheit. Deshalb vermuteten Pepper und seinen Kollegen, dass die früheren Studienergebnisse eher auf die Versuchsbedingungen zurückzuführen waren: Bei den bisherigen Versuchen waren die Tiere auf engem Raum gehalten worden, wodurch die Weibchen keine Chance hatten, den aufdringlichen Männchen zu entkommen. Die Wissenschaftler um Pepper erwarteten, dass die Wasserläufer in freier Wildbahn ein anderes Verhalten zeigten.
In ihren Versuchen bestätigte sich die Vermutung der Forscher. Sie beobachteten die Wasserläufer zum einen in Gefangenschaft, zum anderen in freier Wildbahn. In Gefangenschaft zeigten die Tiere das gleiche Verhalten wie in den vorangegangenen Studien. In Freiheit meiden die Weibchen jedoch ihre aggressiven Artgenossen und gesellen sich eher zu den ruhigeren Männchen. Insgesamt paaren sich die Weibchen also öfter mit den ruhigeren Tieren. Zudem beobachteten die Wissenschaftler, dass die Weibchen rund dreimal so viele Eier legten, wenn sie sich mit einem zurückhaltenderen Männchen gepaart hatten. Egoismus führt demnach nicht immer zum Erfolg.
John Pepper (Binghamton University, New York) et al.: Science, Band 326, S. 816
ddp/wissenschaft.de – Jessica von Ahn

















