Blütenstaub auf Reisen
Feigenwespen transportieren Pollen über 160 Kilometer weit
Der Pollen von afrikanischen Feigenbäumen kann bis zu 160 Kilometer weit von seinem Ursprungsbaum entfernt andere Bäume befruchten. Das haben britische Wissenschaftler herausgefunden, die mit Hilfe von Gentest den Weg der Samen von Maulbeer-Feigenbäumen der Art Ficus sycomorus verfolgten. Zu verdanken haben die Bäume ihren großen Einzugsbereich vor allem Feigenwespen, winzigen Insekten, die den Pollen einsammeln und sich dann, vermutlich mit Hilfe des Windes, viele Kilometer vom Baum entfernen.
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Die Forscher sammelten für ihre Untersuchung Blätter und Früchte von Feigenbäumen am Flussbett des Ugab in Namibia ein und wanderten dabei von der Mündung 240 Kilometer in das Landesinnere. Die Blätter der Feigenbäume unterzogen die Wissenschaftler anschließend einem Gentest. Mit den gesammelten Früchten machten sie eine Art Vaterschaftstest, um die Abstammung und damit den Weg der Pollen zu rekonstruieren. Das Ergebnis: Die Blüten, aus denen die Früchte und Samen entstanden sind, waren mit Pollen aus dem Landesinneren aus einer Entfernung von bis zu 160 Kilometern bestäubt worden.
Befördert wurde der Pollen von Feigenwespen der Art Ceratosolen arabicus. Diese nachtaktiven Insekten leben maximal 48 Stunden und lassen sich vom Wind tragen. Die weite Distanz, die die kurzlebigen Feigenwespen schaffen, begründen die Forscher mit dem Ostwind, der vom Mai bis Oktober in dieser Region weht. Damit erreichen die an sich relativ langsamen Wespen Geschwindigkeiten von bis zu 60 Kilometern pro Stunde und können so in einer Nacht mehr als einhundert Kilometer zurücklegen. Eine derart weite Reise von Pollen war bislang unbekannt und sollte in Zukunft bei der Planung von landwirtschaftlichen Nutzflächen und vor allem beim Anpflanzen von gentechnisch veränderten Pflanzen berücksichtigt werden, empfehlen die Forscher.
Sophia Ahmed (University of Leeds) et al.: PNAS, doi: 10.1073/pnas.0902213106
ddp/wissenschaft.de – Jessica von Ahn

















