Selbsterkenntnis mit Ringelschwänzchen
Schweine verstehen das Prinzip eines Spiegels
Schweine haben möglicherweise ein Selbstbewusstsein, haben britische Forscher entdeckt: Die Tiere scheinen sich selbst im Spiegel zu erkennen und verstehen auch, dass ein Spiegel ihre direkte Umgebung reflektiert. Damit gehören sie wie Elefanten, einige Primaten und Papageien zu der sehr exklusiven Gruppe von Tieren, die mit einem Spiegel überhaupt etwas anfangen kann und nicht glaubt, in ihrem Spiegelbild einen Artgenossen vor sich zu haben.
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Acht Schweine nahmen an der Studie teil. Im ersten Teil, sozusagen der Gewöhnungsphase, kamen sie für fünf Stunden immer zu zweit in eine Box, in der sich auch ein Spiegel befand. Die Tiere studierten ihre Reflexion, die ihres Artgenossen und das Bild ihrer Umgebung sehr sorgfältig und reagierten zumindest am Anfang ganz unterschiedlich darauf: Einige grunzten ihr Spiegelbild an, und ein Schwein schubste den Spiegel sogar so fest mit der Nase an, dass er zerbrach. "Zuerst interpretieren sie das Bild als ein weiteres Schwein", erläutert Studienleiter Donald Broom – ein klassischer Fehler, den viele Tierarten machen und über den die meisten nicht hinauskommen.
Die Schweine hingegen zeigten den Forschern, dass mehr in ihnen steckte: Augenscheinlich lernten sie innerhalb der fünf Stunden, was der Spiegel tatsächlich zeigte und wie ihre eigenen Bewegungen mit denen im Spiegel zusammenhingen. Sie konnten dieses Wissen sogar umsetzen, offenbarte der zweite Teil der Studie. In diesem Abschnitt wurde jedes Schwein einzeln in eine Box gesetzt, die wiederum einen Spiegel enthielt. Zusätzlich gab es dort auch noch einen Futternapf, den die Tiere aber ausschließlich im Spiegel sehen konnten. Davon ließen sich sieben der acht getesteten Schweine jedoch nicht beirren: Sie brauchten nicht einmal 25 Sekunden, um sich vom Spiegel abzuwenden und auf den echten Futternapf zuzulaufen.
Für Broom ist das ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sich die Schweine der Situation und auch ihrer eigenen Rolle beziehungsweise Position darin bewusst sind. Um nämlich den Futternapf zu finden, mussten sie sich zum einen daran erinnern, was sie im Spiegel gesehen hatten. Zum anderen erforderte es, das Prinzip der Spiegelung zu verstehen und ihre Bewegungen dazu in Relation zu setzen. Zumindest bis zu einem gewissen Grad müssten sich die Tiere demnach ihrer selbst bewusst sein, folgert Broom. Er betont zudem, dass es dringend nötig sei, die Haltungsbedingungen für derart intelligente Tiere zu verbessern. Verwunderlich ist das allerdings nicht: Der Wissenschaftler gehört dem Zentrum für Tierschutz und Anthrozoologie, der Lehre von den Beziehungen zwischen Mensch und Tier, an.
Science, Onlinedienst
Originalarbeit der Forscher: Daniel Broom (University of Cambridge) et al.: Animal Behaviour, Bd. 78, Nr. 5, S. 1037
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel


















