Kannibale mit Brutbeutel
Bei Verwandten von Seepferdchen ernähren sich brütende Väter vom eigenen Nachwuchs
Bei den seepferdchenähnlichen Grasnadeln brüten die Väter ihre Jungen in einem Brutbeutel aus, verspeisen jedoch auch einige Tiere aus diesem Nachwuchs. Das haben schwedische Wissenschaftler bei Untersuchungen der Meeresbewohner herausgefunden, die zur Familie der Seenadeln gehören und mit den Seepferdchen verwandt sind. Die männlichen Tiere besitzen eine Bruttasche, in der sie ihre Jungen ausbrüten. Doch im Verlauf der Brutzeit verschwinden einige Zöglinge aus dieser Tasche. Bisher war ungeklärt, ob die Väter oder die Geschwister diese Embryonen verspeisen. Nach den neuen Ergebnissen scheinen die befruchteten Eier von dem stark durchbluteten Gewebe der Bruttasche absorbiert zu werden, berichten die Forscher.
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In ihrer Studie setzen die Wissenschaftler eine Gruppe weiblicher Grasnadeln radioaktiv markierten Aminosäuren aus, so dass diese schwach radioaktive Eier produzierten. Nach der Behandlung der weiblichen Grasnadeln paarten sich jeweils zwei weibliche Tiere mit einem männlichen Artgenossen: Alle 17 untersuchten Männchen erhielten demnach von einem Weibchen radioaktive, von einem anderen unmarkierte Eier. Zusätzlich wählten die Wissenschaftler bei der Zusammenstellung der Pärchen Weibchen aus, die untereinander markante Größenunterschiede aufwiesen, so dass als Nachwuchs sowohl große als auch kleine Junge zu erwarten waren.
Bei der Untersuchung fanden die Wissenschaftler eine erhöhte Radioaktivität in der Bruttasche der Männchen, in ihrer Leber und im Muskelgewebe. Die Väter hatten also einige ihrer Jungen verdaut. In den nicht markierten Jungen fand sich hingegen keine erhöhte Radioaktivität. Es hatte daher keinen Kannibalismus zwischen den Halbgeschwistern gegeben, folgern die Wissenschaftler.
Unklar sind den Forschern noch die Gründe für den Verzehr des Nachwuchses. Ausschließen können die Wissenschaftler lediglich, dass spezielle Eier und Nachkommen gebildet werden, die als Nahrung für den Nachwuchs dienen, wie dies bei anderen Tierarten vorkommt. Auch ist nicht klar, ob die Väter ihre Jungen töten oder sich lediglich von verstorbenen und lebensunfähigen Embryonen ernähren. Da sich in allen untersuchten Lebern, Brutbeuteln und Muskeln der männlichen Grasnadeln Radioaktivität nachweisen ließ, glauben die Wissenschaftler, dass die Größe der Jungen für die Väter bei dieser Form der Nahrungsaufnahme keine Rolle spielt.
Gry Sagebakken (Universität von Göteborg) et al.: Proceedings of the Royal Society B, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1098/rspb.2009.1767
ddp/wissenschaft.de – Jessica von Ahn

















