Vom Rocken und Reden
Musik ist ein Nebenprodukt der Sprachentwicklung
Musik ist nichts weiter als eine kunstvolle Sprachimitation – oder umgekehrt. Zu diesem Schluss sind US-Forscher um Dale Purves von der Duke-Universität in Durham gekommen. Er und seine Kollegen hatten sich gefragt, warum in der Musik gerade einmal 12 verschiedene Intervalle, also Tonabstände, verwendet werden, obwohl das menschliche Gehör prinzipiell über 240 verschiedene Abstufungen unterscheiden kann. Da sie in einer früheren Studie bereits festgestellt hatten, dass auch beim Sprechen nicht mehr Intervalle zum Einsatz kommen, vermuteten sie einen Zusammenhang. Ihr besonderes Interesse galt dabei der Frage, ob sich Sprache ebenso wie Musik in Dur und Moll einteilen lässt, also in fröhliche und traurige Klänge. Die Untersuchungen bestätigten die Vermutung der Wissenschaftler: Demnach imitiert Musik Sprache.
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Purves und sein Team analysierten zunächst über 1.000 klassische Kompositionen sowie über 6.000 Volksmusikstücke auf die Häufigkeit der verwendeten Intervalle. Parallel dazu ließen sie Probanden einzelne Wörter oder ganze Monologe vortragen. Dabei sollten die Versuchsteilnehmer einmal mit positiv erregter Stimme sprechen und einmal eine gedrückte Stimmung vermitteln. In beiden Fällen bestimmten die Wissenschaftler wieder die Intervalle. Anschließend verglichen sie die Ergebnisse und stellten fest, dass eine traurige Stimme genau dieselben Tonabstände wiedergibt, die in der Musiklehre dem Tongeschlecht Moll zugeordnet werden. Soll eine positive Stimmung erzeugt werden, nutzt die menschliche Sprache hingegen Intervalle, die zum Tongeschlecht Dur gehören.
"Die Ästhetik von Klängen hat eine stark biologische Grundlage. Menschen bevorzugen Tonkombinationen, die denen der Sprache ähneln", schließt Purvis. Und da die Sprache für die menschliche Entwicklung entscheidend war, hat auch die Musik einen sehr hohen Stellenwert. Oder umgekehrt, denn ob sich zuerst die Sprache oder erst die Musik entwickelte, lässt sich nach Ansicht der Forscher kaum feststellen. Beide würden jedoch von Lauten abstammen, die dem Ausdruck von Emotionen dienten.
Dale Purves (Duke-Universität, Durham) et al.: PloS One, doi: 10.1371/journal.pone.0008144 und Journal of the Acoustical Society of America, Band 113, Nr. 4, S. 2326
ddp/wissenschaft.de – Mascha Schacht

















