Harmonische Paarung
Moskitos erkennen ihre Artgenossen am Summen
Mit ihrem lauten Sirren verraten sich Moskitos im Anflug auf ihr Opfer. Aber warum hat die Evolution den Blutsaugern diesen Alarm nicht längst ausgetrieben, der zur Verteidigung anstiftet? Weil der Sexualtrieb stärker ist als der Hunger: Britische Wissenschaftler haben mit empfindlichen Mikrophonen festgestellt, dass die Weibchen und Männchen der gleichen Malariamücken-Art zusammenfinden, wenn die Frequenzen ihrer Flügelschläge im Flug harmonieren. Mit dieser Auswahl verhindern die Plagegeister die Paarung mit artfremden Tieren und erhalten so ihre genetische Vielfalt, durch die sich die Überträger der Malaria-Erreger schnell an Umweltbedingungen anpassen können.
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Unter den mehr als 420 Arten der Anopheles-Mücke gelten zehn Prozent als potenzielle Malariaüberträger. Auf den Menschen fixiert und damit besonders gefährlich sind die sieben Arten der afrikanischen Anopheles Gambiae, die sich anhand äußerer Merkmale nicht unterscheiden lassen. Erstaunlicherweise hat sich diese genetische Vielfalt erhalten, obwohl Co-Studienautor Ian Russel von der University of Greenwich in Burkina Faso sogar zwei dieser Moskitoarten in einem Schwarm entdeckt hat. Die Tiere finden den artgerechten Geschlechtspartner mit einem Trick: Sie erkennen sich an ihren Fluggeräuschen.
In früheren Untersuchungen hatte Gibson bereits bei Tieren unterschiedlichen Geschlechts die Synchronisierung der Summgeräusche festgestellt. Dabei hören die Mücken weder den eigenen noch den "Gesang" des Partners, sondern sie nehmen nur Dissonanzen wahr. Die Tiere versuchen dann, diese durch eine andere Flügelschlag-Frequenz zu vermindern. "Das funktioniert sogar, wenn sie bis zu vier Noten auseinander liegen", berichtet Russel. "Sie erzeugen eine perfekte Harmonie, die allerdings nur wir Menschen hören können." Das Einschwingen der Tonlagen gelingt nicht bei gleichem Geschlecht und, wie jetzt belegt, bei ungleichen Arten. Die Wissenschaftler unterstreichen die Leistungsfähigkeit dieser hoch entwickelten Wahrnehmung der Insekten: Menschen können die afrikanischen Moskitoarten nur durch eine Erbgutanalyse unterscheiden.
Cédric Pennetier (University of Sussex, Brighton) et al.: Current Biology, Online-Vorveröffentlichung
ddp/wissenschaft.de – Rochus Rademacher


















