Faszinierende Artenvielfalt
Korallenriffe sind eine Wiege der Evolution
Tropische Korallenriffe sind wegen ihrer Artenvielfalt berühmt und schützenswert, darin sind sich die Meeresbiologen einig. Doch woher eben diese Biodiversität kommt, darüber gingen die Meinungen bislang auseinander: Haben sich die Bewohner der Riffe auch dort entwickelt, oder handelt es sich um Einwanderer? Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam hat diese Fragen nun beantwortet: Die deutliche Mehrheit der Arten entsteht tatsächlich in den Riffen. Von dort wandern viele Spezies in andere Gebiete ab, während sich nur wenige externe Arten in den Riffen niederlassen. Zu diesen Erkenntnissen gelangten die Wissenschaftler, indem sie die Entwicklungsgeschichte und die Verbreitung von 6.615 Weichtierarten bis zu deren erstmaliger Entdeckung zurückverfolgten.
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Bei der Suche nach dem Zeitpunkt der Entstehung der über 6.000 Arten nutzen die Forscher eine paläobiologische Datenbank, in der das Alter und die Herkunft tausender Fossilien katalogisiert sind. Dabei konzentrierten sie sich auf Weichtierarten, die wenigstens ein Erdzeitalter überdauert hatten. Zu den im Wasser lebenden Weichtieren zählen unter anderem Seeanemonen, Schwämme, Muscheln und Schnecken. Bei ihren Untersuchungen verglichen die Wissenschaftler zudem unterschiedliche Lebensräume miteinander: Riffe und Steilküsten, Kalk- und Sandsteinriffe, tropische und nicht-tropische Gewässer sowie flache und tiefe Gewässer.
Die Ergebnisse bestätigten nun die Erwartungen der Forscher: Die große Mehrheit der Weichtiere hat sich demnach in tropischen Korallenriffen entwickelt. Von dort verbreiteten sich viele Arten auch außerhalb der Riffe, umgekehrt siedelten sich in den Riffen jedoch nur wenige externe Arten an. Letzteres könnte an der großen Artenvielfalt liegen, aufgrund derer in den Riffen nur noch wenige ökologische Nischen existieren, die fremde Arten besetzen könnten.
Abgesichert sehen die Forscher auch weitere Vermutungen: Wie erwartet, entwickelten sich im Flachwasser mehr Arten als in tiefen Gewässern, in tropischen Meeren mehr als in kühleren Bereichen und in Kalkriffen mehr als in solchen aus Sand. Auch stellten die Wissenschaftler fest, dass während des Erdaltertums – im Fachjargon: Paläozoikums – in den Riffen mehr Arten in kurzer Zeit entstanden als später. Dafür haben die Forscher zwei Erklärungsmodelle: Entweder hat die evolutionäre Schaffenskraft der Riffe nachgelassen, oder aber die übrigen aquatischen Lebensräume bieten mittlerweile verbesserte Bedingungen, so dass sich die Entstehung neuer Arten heute mehr verteilt.
Wolfgang Kiessling (Humboldt-Universität zu Berlin) et al.: Science, Bd. 327, Nr. 5961, S. 196
ddp/wissenschaft.de – Mascha Schacht


















