Wilde Jugend im All
Vor sechs Milliarden Jahren dominierten unregelmäßig geformte Galaxien
Die ästhetische Form von Galaxien als gigantische Spiralen oder Ellipsen ist das Ergebnis einer wilden Jugend: Vor sechs Milliarden Jahren waren im Kosmos über die Hälfte der Materieansammlungen noch unregelmäßig geformt. Das haben jetzt europäische Astronomen durch einen Vergleich von 264 Galaxien festgestellt. Erst durch Verschmelzungen und Kollisionen dieser so genannten irregulären Galaxien entstanden gleichförmige Konstellationen, wobei sich vor allem Spiralgalaxien ausbildeten. Die Heimatgalaxie der Erde hat ihre Gestalt, anders als die Nachbargalaxie Andromeda, ohne dramatische Kollision angenommen.
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Die Astronomie zählt Objekte im Umkreis der Erde von fünf bis sieben Millionen Lichtjahren zu den so genannten lokalen Galaxien, die auch ein jüngeres Bild des Kosmos vermitteln. Die Wissenschaftler des Observatoire de Paris um Rodney Delgado-Serrano passten nun 116 lokale und 148 entfernte Galaxien in ein Entwicklungsschema ein, das Edwin Hubble 1936 erarbeitet hatte. Dabei verwendeten sie Aufnahmen, die unter anderem vom Hubble-Weltraumteleskops von NASA und ESA stammen. Der Vergleich der Gegenwart mit der Urzeit überraschte: Während 52 Prozent der Galaxien vor sechs Milliarden Jahren unregelmäßige Umrisse hatten, fällt diese Erscheinungsform heute mit nur zehn Prozent wenig ins Gewicht. Gleichzeitig nahm die Anzahl der Spiralgalaxien zu: Ihr Anteil sprang von 31 Prozent auf heute 72 Prozent. Bei den linsen- und ellipsenförmigen Ansammlungen von Materie gab es nur unwesentliche Verschiebungen.
"Die irregulären Galaxien wurden also überwiegend zu Spiralen, woraus sich ein dramatischeres Bild der Ereignisse im Universum ergibt", erklärt Studienautor Delgado-Serrano. Bisher wurde angenommen, dass die heiße Phase mit vielen Kollisionen von Galaxien vor acht Milliarden Jahren zu einem Ende kam. Auch galten die Ellipsen als Kinder der Kollision unförmiger Sternenansammlungen. Durch die Untersuchung steht nun fest, dass die turbulenten Zeiten noch bis vor vier Milliarden Jahre andauerten und dass vor allem sanfte Verschmelzungen zur Geburt riesiger Spiralen führten.
Die Galaxie der Erde besitzt die für Spiralgalaxien typische Scheibenform mit kugeliger Verdickung in der Mitte. Doch der Milchstraße bescheinigen die Astronomen eine eher ruhige Teenager-Zeit, während die 2,5 Millionen Lichtjahre entfernte Nachbargalaxie, der spiralförmige Andromeda-Nebel, das Ergebnis gewaltiger Zusammenstöße ist.
Rodney Delgado-Serrano (University of Paris-Diderot) et al.: Astronomy and Astrophysics, doi: 10.1051/0004-6361/200912704
ddp/wissenschaft.de – Rochus Rademacher


















