Doppelte Mimikry
Tropischer Fisch täuscht Fressfeinde und Opfer durch die Ähnlichkeit mit einem giftigen Artgenossen
Der in Korallenriffen beheimatete Schleimfisch Plagiotremus laudandus ähnelt dem giftigen Riffbewohner Meiacanthus atrodorsalis und schlägt daraus sogar doppelten Vorteil: Einerseits wird er seltener angegriffen, weil er für wehrhaft gehalten wird. Andererseits macht er mehr Beute, wenn er sich in der Nähe von Meiacanthus atrodorsalis aufhält, der gegenüber anderen Fischen friedlich ist: Die Opfer übersehen schlicht ihren Fressfeind. Bisher sind lediglich Tiere bekannt, die nur einen einzigen Vorteil aus der Imitation anderer Arten ziehen. Die raffinierte Mimikry haben australische Forscher bei Beobachtungen der Schleimfische in den Korallenriffen um die indonesische Insel Pulau Hoga entdeckt, die sie mit Experimente in Indonesien und Australien untermauert haben.
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Gleichen Individuen einer anderen Spezies, so verschaffen sie sich Vorteile gegenüber ihren Artgenossen und sie setzen sich in der Evolution leichter durch. In früheren Studien haben Biologen drei Imitationstypen identifiziert: Tiere ahmen andere nach, um Angriffe von Feinden zu vermeiden, um selbst leichter an Beute zu gelangen oder um Partner für die Fortpflanzung zu finden. Sie vermuteten, dass sich diese Varianten gegenseitig ausschließen. Die Wissenschaftler um Karen Cheney von der Universität in Queensland zeigen nun, dass die Natur auch Kombinationen kennt: Der Schleimfisch Plagiotremus laudandus verfolgt zwei der Imitationsstrategien.
Die Muster und Farben sind bei beiden Fischarten nahezu identisch. Beide haben einen blauen Kopf und Vorderkörper, der in ein gelbes Schwanzteil übergeht. Meiacanthus atrodorsalis ist aber giftig und kann sich deshalb gut verteidigen: Wenn er sich bedroht fühlt, beißt er Angreifer mit seinen überlangen Eckzähnen, die mit einer Giftdrüse verbunden sind. Frühere Experimente zeigten, dass Feinde daraufhin sofort von ihm ablassen, schreiben die Forscher. Die Ähnlichkeit mit dem Giftfisch schützt Plagiotremus laudandus vor Angriffen, solange er sich im gleichen Lebensraum aufhält. Plagiotremus laudandus ist jedoch ein Räuber: Durch die Ähnlichkeit mit dem giftigen, aber friedfertigen Original übersehen ihn seine Opfer oft und erleichtern ihm so den Angriff.
Die Forscher beobachteten 40 Plagiotremus laudandus Schleimfische aus zehn verschiedenen Korallenriffen um Pulau Hoga in Tiefen von zwei bis 18 Metern. Zudem stellten sie Replikate der Fische her, indem sie Fotos der Tiere auf beide Seiten eines Plexiglas-Plättchens klebten. Dabei verwendeten sie drei Fotografien: das Bild des wirklichen Schleimfischs, eine Version mit veränderten Farben und Mustern und das Bild eines völlig anderen Fischs. Damit untersuchten die Wissenschaftler in den Korallenriffen bei Pulau Hoga und um Lizard Island im australischen Great Barrier Reef, wie viele Angreifer sich den Replikaten näherten: Vor Australien, wo weder Giftfisch noch Imitator vorkommen, machten die Fische keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Fotografien. Im natürlichen Lebensraum vor Indonesien aber näherten sich viel weniger Angreifer dem Abbild des Plagiotremus laudandus als bei den anderen Fotofischen.
Karen Cheney (Universität in Queensland) et al.: Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences, doi:10.1098/rspb.2009.2218).
ddp/wissenschaft.de – Regula Brassel


















