Übergewicht gibt zunächst Sicherheit
Forscher: Fettleibigkeit könnte ein Schutz des Körpers vor Krankheiten sein
Fettleibigkeit ist nicht der Verursacher von Symptomen wie hohen Cholesterinwerten, Herzproblemen oder Diabetes, sondern zunächst ein Schutz dagegen. Diese These vertreten US-Forscher, die in einer Übersichtsstudie bisherige Untersuchungen zur Fettleibigkeit analysiert haben. Demnach dienen Fettansammlungen der Speicherung von Fett am richtigen Ort im Körper – im Fettgewebe. Dadurch werden die Organe vor der negativen Wirkung des Fettes geschützt. Erst wenn das Fettgewebe – überfordert durch das Übermaß an Kalorien – seine Funktion nicht mehr erfüllen kann, entfalte das Fett im Blut und in den Organen seine schädliche Wirkung, berichten die Forscher.
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Viele sogenannte Zivilisationskrankheiten werden mit Übergewicht in Verbindung gebracht. Es wird für Herzprobleme, Diabetes, Fettleber, hohe Cholesterinwerte und viele weitere Symptome verantwortlich gemacht. Diese werden auch unter dem Begriff "Metabolisches Syndrom" zusammengefasst, das die Ursache zahlreicher Todesfälle ist. Der moderne Lebensstil mit zu viel Essen und zu wenig Bewegung führt dazu, dass heute viel mehr Menschen Übergewicht haben als noch vor 50 Jahren. Durch die permanent hohe Zufuhr an Kalorien beginnt der Körper, Fett im Fettgewebe zu speichern.
Entgegen der bisher vorherrschenden Meinung könnte aber dieses gespeicherte Fett nicht nur ungefährlich sein, sondern zunächst sogar dem Schutz des Körpers dienen, argumentieren die Wissenschaftler nun. Für diese Schutzfunktion der Fettleibigkeit gebe es viele Hinweise, sagen die Forscher nach der Analyse verschiedener Studien. So ergaben beispielweise Studien an genetisch manipulierten Mäusen, dass das Einlagern von Fett im Fettgewebe die negativen Auswirkungen von zu viel Nahrung verzögert. In diesen Experimenten entwickelten Mäuse, die kein Fett speichern konnten, daher häufig Diabetes.
"Der Körper korrigiert zwar unsere Versäumnisse und nimmt die überschüssigen Kalorien aus dem System", erklärt Unger. Das ist aber nur solange möglich, wie das Fettgewebe noch nicht überfordert ist. Danach wird das Fett an anderen Orten wie in der Leber oder in den Muskeln gespeichert, mit den bekannten unerwünschten Nebenwirkungen wie zum Beispiel Diabetes oder Fettleber. Eine Schlüsselrolle beim Übergang von den schützenden Fettablagerungen zum Metabolischen Syndrom spielt das Fetthormon Leptin. Es bestimmt neben seiner appetithemmenden Wirkung auch, wie das Fett im Körper verteilt wird. So ist es möglich, dass Menschen, die aufgrund ihrer genetischen Veranlagung gut auf das körpereigene Leptin ansprechen, trotz Fettleibigkeit keine Symptome des Metabolischen Syndroms zeigen.
Allerdings verliert dieses Hormon ab einem bestimmten Alter seine Wirkung: Die Natur beende diesen Schutz, sobald der Mensch seine üblicherweise fortpflanzungsfähigen Jahre überschritten habe, sagt Unger. Das heißt, dass dann eine mäßige Ernährung und regelmäßige Bewegung noch wichtiger werden.
Roger Unger und Philipp Scherer (Universität von Texas, Dallas): Trends in Endocrinology and Metabolism, (doi:10.1016/j.tem.2010.01.009)
ddp/wissenschaft.de – Thomas Neuenschwander



















